69-jährige Angeklagte hatte immer einen Grund parat / Amtsgericht Salzwedel fordert psychiatrisches Gutachten an

Moped in Brand: Rentnerin soll gezündelt haben

+
Eine Rentnerin soll ein Moped in Brand gesteckt haben. Das Amtsgericht Salzwedel lässt jetzt ein psychiatrisches Gutachten von der Angeklagten erstellen.

akr Salzwedel. „Ich war das nicht“, stritt die angeklagte Rentnerin aus Salzwedel gestern vor dem Amtsgericht alle Anklagepunkte ab. Die 69-Jährige soll die Notrufnummer missbraucht, das Moped ihrer Nachbarn in Brand gesteckt und Drohungen ausgesprochen haben.

Die Salzwedelerin hatte mehrfach den Notruf gewählt und darum gebeten, ihren toten Nachbarn abzuholen. Dieser war aber wohlauf. Bei der vorgeführten Tonaufnahme konnte sich die Angeklagte gestern nicht erklären, warum sie sechs Wochen später erneut den Notruf angerufen hatte. „Ja, das ist meine Stimme“, so die 69-Jährige, die sich mit falschem Namen gemeldet hatte. Grund: „Das war ein Versehen.“

Für Richter Klaus Hüttermann lag der Verdacht auf Alkoholgenuss nahe. „Ich trinke seit mehreren Jahren nichts mehr“, so die Seniorin. Doch als sie verdächtigt wurde, das Moped der Nachbarn angesteckt zu haben, ließ die Polizei sie pusten. Ergebnis: 2,27 Promille. „Ich hatte schlechte Nachrichten und habe mir einmal eine Flasche Schnaps gekauft“, begründete sie.

Das abgebrannte Moped gehörte dem totgesagten quicklebendigen Nachbarn. „Ich habe Rußspuren an ihren Händen und dem Bademantel gesehen“, berichtete der Polizist, dem die Angeklagte die Tür zunächst nackt geöffnet hatte. Sie zog sich dann auf Aufforderung an. Danach entdeckte der Polizist die Rußspuren an dem roten Bademantel.

„Es macht den Eindruck, dass Sie selbst nicht wissen, ob sie Schuld sind“, erklärte der Richter gestern. Zusammen mit seinen beiden Schöffen entschied Klaus Hüttermann ein psychiatrisches Gutachten anzufordern: „Wir müssen erst prüfen, ob die Angeklagte überhaupt schuldfähig ist.“ Die Staatsanwältin stimmte dem Vorschlag zu. „Es wurde bereits zweimal wegen Brandstiftung gegen Sie ermittelt“, so Hüttermann: „Die Gefahr, dass so etwas wieder passiert ist da.“ Der Fortsetzungstermin wurde vorläufig abgesagt, bis das Gutachten vorliegt. Anschließend kann der Fall in vor dem Salzwedeler Gericht weiter verhandelt werden.

Kommentare