Mohammad Sepehr Sadat floh vor drei Jahren aus dem Iran / Salzwedel wird zu seiner neuen Heimat

„Heute helfe ich anderen Flüchtlingen“

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Mohammad Sadat (19) mit seiner Schwester Nilufar (23), die im Iran Medizin studiert. „Das liegt bei uns in der Familie“, erzählt der gebürtige Afghane.

Salzwedel. Mit 16 Jahren flüchtet Mohammad Sepehr Sadat mit seiner Schwester Yasamin aus dem Iran. „Das ist jetzt schon drei Jahre her. Meine Schwester sollte damals heiraten. Das wollte und konnte sie aber nicht und ich bin dann, da sie nicht alleine weg durfte, mit ihr mitgegangen“, erzählt Mohammad, der in Afghanistan geboren ist.

Mohammads Bruder Mustafa Sadat moderierte die afghanische Version von Günther Jauchs Quizshow „Wer wird Millionär“.

Sein Vater verstarb an Krebs. Seine Mutter ist mit drei seiner Schwestern im Iran geblieben. Hin und wieder, so Mohammad, hat er schon sehr großes Heimweh nach seiner Familie. Sein Bruder Mustafa ist in Afghanistan ein TV-Star gewesen. „Er war der afghanische Günther Jauch und hat ,Wer wird Millionär‘ moderiert“, erzählt er. „Aber auch mein Bruder musste fliehen, weil es in Afghanistan für ihn zu gefährlich geworden ist. Heute arbeitet er im Iran als Online-Journalist.“

Der 19-jährige Mohammad macht derzeit seinen Realschulabschluss mit dem Schwerpunkt Sozialpflege an der Berufsschule Salzwedel. Von der Schule aus absolviert er ein Praktikum in der Salzwedeler Gemeinschaftsunterkunft. „Ich helfe den Flüchtlingen bei Behördengängen, dolmetsche, wenn es nötig ist, und unterstütze die Neuankömmlinge in der Kollwitz-Turnhalle. Oft höre ich auch einfach nur zu, wenn die Leute sich aussprechen wollen.“

Bei Eintracht Salzwedel findet Mohammad schnell Freunde: „Sport ist die beste Art sich zu integrieren“, sagt er.

Über die Türkei sind die Geschwister damals zu Fuß bis nach Griechenland geflohen. Dort warteten sie auf ihre Reisepässe. „Pro Pass haben wir 5000 Euro bezahlt. Dann mussten wir 70 Tage warten, bis es weiter nach Deutschland ging.“ Von Frankfurt aus reisten Mohammad und Yasamin nach Hamburg, dann nach Halberstadt, bis sie in Salzwedel ankamen. 15 Monate wohnten sie in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Fuchsberg. Die Anfangszeit war für den Flüchtling eine Zerreißprobe. „Ich war etwa ein Jahr auf der Lessing-Ganztagsschule. Dort hatte ich drei Stunden Deutsch-Unterricht. Den Rest habe ich mir selbst beigebracht.“ Mohammad erlebte Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Der Sport gab ihm Halt. Bei Eintracht Salzwedel spielt er im Mittelfeld.

„Deutschland ist meine Heimat. Ich würde nach Afghanistan zurückgehen, aber nur, wenn ich den Menschen dort helfen kann.“ Seine Schwester Yasamin muss in Deutschland bleiben. Die Hebamme kann nicht mehr zurück, sonst wird sie zwangsverheiratet. Doch ihren Ehemann hat sie sich bereits in Deutschland gesucht. Die deutsche Staatsbürgerschaft kann Mohammad in ein paar Jahren beantragen. Sein großer Traum ist es, Medizin zu studieren.

Von Katja Lüdemann

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