Bandwettbewerb ist von einem kleinen Contest zu einer internationalen Institution geworden

„Local Heroes“: „Ihr spielt die Musik!“ – seit 25 Jahren

Das Publikum feiert die besten Bands des Landes.

Salzwedel. Noten, Instrumente jedweder Coleur und Rock‘n‘Roll sind die Gewürze des „Local Heroes“. Freundschaften und viele treue Seelen, die für die bunte Mischung des Wettbewerbes stehen und diesem seit 25Jjahren Leben einhauchen.

Es heißt ja nicht umsonst: Ihr spielt die Musik!

Teil 1 

„Local Heroes“-History: Dieser Contest ist ein Prädikat

Das größte Non-Profit-Newcomernetzwerk Deutschlands wird 25 Jahre. Am Anfang war es nur eine Plattform für eine Region. Mittlerweile ist „Local Heroes“ zu der Kulisse für ambitionierte junge Musiker aus ganz Europa geworden. Das in Salzwedel ansässige Projekt hat im vergangenen Vierteljahrhundert nicht nur Ost und West einander näher gebracht, sondern vor allem ein weitreichendes Netzwerk zwischen dem musikalischen Nachwuchs und den Profis der Szene geknüpft.

Zum 25. Geburtstag blicken die Geschäftsführerin Julia Wartmann und Gründer Dieter Herker auf ihr Baby zurück und schalten für die Zukunft noch einen Gang nach oben. „Und die Sieger sind ...“, sobald dieser Satz fällt, löst sich die Anspannung vor und hinter den Kulissen. Das Publikum feiert die besten Bands des Landes, das Team ein ganzes Jahr voller spannender Wettbewerbe mit mehr als 1500 unterschiedlichsten Gruppen.

Das jeden November anstehende Bundesfinale im Kulturhaus von Salzwedel ist für Julia Wartmann und ihre Mannschaft der Höhepunkt zwölfmonatiger Anstrengungen. Seit gut einem Jahr steht die junge Musikwissenschaftlerin an der Spitze von „Local Heroes“. Den Staffelstab hat sie nach 25 Jahren von „Local Heroes“-Urgestein Dieter Herker übernommen, der ihr nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht.

Vor einem Vierteljahrhundert hat Herker den Wettbewerb gemeinsam mit einer kleinen Runde Musikfreunden sprichwörtlich aus dem Boden gestampft. Die damals herrschende Euphorie während eines gelungenen Konzertabends ist bis heute geblieben. Das vehemente Rühren der Werbetrommel und das manchmal recht mühsame Anbringen unzähliger Plakate haben sich seit den 1990ern ebenfalls kaum verändert. Alles andere aber schon.

Aller Anfang ist klein: Das Projekt startet mit 20 Bands

Von einem bundesweiten Contest und sogar darüber hinaus – wie er heute gelebt wird – waren die Verantwortlichen damals Lichtjahre entfernt. Der Fokus lag auf der aktuellen Situation vor Ort. Mit Rock, Pop, Jazz und Punk bewegten sich die jungen Leute abseits von Volk- und Marschmusik, aber damit leider auch jenseits von jeglicher öffentlichen Förderung. Denn diese hatten für solche Anliegen nicht einmal den besagten feuchten Händedruck übrig, so heißt es zumindest in einer Dokumentation zum ersten „Local Heroes“-Wettbewerb.

Das musste sich ändern. „Unmittelbar nach der Grenzöffnung traf ich auf liebe Kollegen vom Jugendclub „Hanseat“ und vom Klubhaus der Erdgasarbeiter „Wilhelm Pieck“ – dem heutigen Kulturhaus Salzwedel – jenseits der damaligen deutsch-deutschen Grenze in Salzwedel“, erinnert sich Dieter Herker. „1990 verabredeten wir, gemeinsam mit einer Musikinitiative aus dem angrenzenden Landkreis Uelzen, jungen Talenten der Region eine Plattform zu geben, sie zu fördern und Jugendliche aus Ost und West miteinander bekannt zu machen.“

Gesagt, getan: Der Startschuss fiel mit den drei Kreisen Salzwedel, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. Unter dem Titel „Tri-gionaler Musikwettbewerb“ fanden sich 16 teilnehmende Bands und zwei Solointerpreten zusammen. Beworben hatten sich die jungen Leute nicht etwa über ein Online-System, sondern handschriftlich und mit beigefügter Kassette. Für viele bot sich mit dem „Wettbewerb für Amateurmusiker“ erstmals eine Gelegenheit, aus den eigenen Probenräumen emporzusteigen und sich live vor einem Publikum zu präsentieren.

Nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit fanden vom 28. bis 30. Juni 1991 die Vor-ausscheide im „Hanseat“ in Salzwedel, im Café „Grenzbereich“ in Platenlaase und in der Musikgalerie in Uelzen statt. Je zwei Bands von dort durften am Ende beim Finale in Salzwedel antreten.

Die Maxime, Fachjury und Publikum gleichermaßen in die Entscheidung über den Gesamtsieg einzubeziehen, gab es übrigens schon damals. Die gut 1500 Fans im Park des Friedens ließen die Organisatoren bereits zu jener Zeit via Abstimmung auf ihren Eintrittskarten wissen, wer ihr Favorit ist. In der Endausscheidung Nummer eins fiel jedoch die Jury wesentlich kleiner als heute aus. Ein Musikpädagoge, ein Rundfunk-Journalist, ein Musikkritiker, ein Musiker und je ein Veranstalter hatten über die Qualität der Darbietung zu entscheiden.

„Sonderzug aus Pankow“: Lokale Helden auf der Überholspur

Dass die Teilnehmer allesamt ordentlich Biss hatten, steht auch 25 Jahre später wie in Stein gemeißelt. Denn Gigs um die fünf Stunden mit wenigen Minuten Pause waren nicht selten. Zuvor verliefen viele Proben unter dem Motto: Anhören, Nachspielen, läuft!

Ähnlich verhielt es sich auch mit den „Local Heroes“-Machern – zumindest im übertragenen Sinn. Denn schon im zweiten Wettbewerbsjahr bekamen sie Anfragen von Musikinitiativen aus umliegenden Landkreisen, ob sie teilnehmen dürften. „Geplant war es nicht, aber wir freuten uns, dass unser Projekt auf Interesse stieß“, schmunzelt Dieter Herker. „Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen jährlich neue Initiativen und Vereine hinzu. 2001 nahmen bereits Initiativen und Vereine aus fünf Bundesländern teil.“

Für „Local Heroes“ ging es in den darauffolgenden Jahren Schlag auf Schlag. Zur Jahrtausendwende wurde das Projekt „Local Heroes“ wegen seiner innovativen Jugendarbeit auf die Weltausstellung Expo nach Hannover eingeladen. „In einem dreistündigen Bühnenprogramm stellten wir die jungen Siegerbands der vergangenen Jahre vor und demonstrierten in einer Radio-Live-Übertragung mehrerer freien Radios und Offenen Kanäle, was das ,Local Heroes‘-Netzwerk drauf hat“, fasst Herker diese wunderbare Gelegenheit für sein Projekt zusammen.

Derlei Erinnerung hat er haufenweise im Gepäck. Sicherlich zu einer der schönsten Begebenheiten gehört jedoch der 3. Oktober 2003, als er als einer der eingeladenen Ehrengäste stellvertretend für das Gesamtprojekt mit Lindenbergs „Sonderzug aus Pankow“, auf der Fahrt nach Magdeburg zur Preisverleihung symbolisch die Mauer durchbrach. „Kurz vor Lindenbergs Auftritt gab es die Preisverleihung auf dem Domplatz in Magdeburg. ,Local Heroes‘ wurde für sein soziales Engagement mit dem ,Einheitspreis‘ der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet.“

Stars der Musikszene spenden aus ihrem privaten Fundus

Auch die Profis wurden mit der Zeit auf „Local Heroes“ aufmerksam. Silly, wohl eine der bekanntesten Bands der DDR, übernahmen schon früh eine Patenschaft. Dabei geblieben ist es bis heute. Ob als Juroren, beim Coaching oder im Rahmen von Studioaufnahmen – die Förderung von „Local Heroes“ liegt ihnen nach wie vor am Herzen.

2003 gesellte sich Marusha als Patin dazu. Die DJane mit den markanten, grünen Augenbrauen ließ es sich nicht nehmen und nahm auch in der Jury Platz. 2004 gelang dann sogar der Sprung ins europäische Ausland. Erstmals fand der Wettbewerb nun in Österreich statt. Nur zwei Jahre später, 2006, wird eindrucksvoll spür- und greifbar, wie verwurzelt das Projekt mittlerweile war. „Künstler und Musiker spendeten unter anderem Instrumente für eine Internetverlosung zu Gunsten der ,Local Heroes‘“, so Dieter Herker. Was damals zusammenkam, war nicht von Ungefähr: Rammstein ließ eine Goldene Schallplatte springen, die Kelly Family ein Schlagzeug, 4Lyn signierte Schlagzeugsticks, Marusha ihre Limited-Edition-CDs. Die Beatsteaks gaben verschiedene Utensilien aus ihrem Merchbestand, der Bildhauer Hans Molzberger stiftete ein Zappa-Portrait auf Raku-Platte. Und last but not least signierten auch die langjährigen Paten Madsen ein Schlagzeugbecken für den guten Zweck. „Alles in allem kamen dabei um die 3500 Euro rum“, freut sich der einstige „Local Heroes“-Chef noch heute.

Wer jedoch glaubt, in den vergangenen Jahren sei es ruhiger geworden, der irrt. Bereits seit 2007 erinnert ein eigener „Local Heroes“-Zug an die verbindende Wirkung des Projekts. Er verkehrt täglich von Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen und verbindet unter anderem die Städte Magdeburg und Wolfsburg. Im Jahr darauf wurde das „Local Heroes“ schließlich für den Live Entertainment Award (LEA) nominiert. Zu den jüngsten Meilensteinen gehören aber vielleicht auch die beiden größten: 2010 fand in Ungarn das erste europäische „Local Heroes“-Finale im Rahmen der Feierlichkeiten der Europäischen Kulturhauptstadt Pécs statt. 2011 gab es die erste „Local Heroes“-Musik- und -Medienmesse in Magdeburg.

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