Fanfarengarde Salzwedel nimmt an Weltrekordversuch teil / Üben ist Teil des Vereinsalltags – eine Reportage

„Kopf hoch: Ihr strahlt Stolz aus!“

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Zur Vereinsarbeit gehört das Üben: Während eines Trainingstages im Salzwedeler Werner-Seelenbinder-Stadion perfektionieren die Gardisten das Kurvengehen in der Formation.

Salzwedel / Neustrelitz. Links, rechts, links, rechts . . . – die Mitglieder der Fanfarengarde Salzwedel üben an diesem Tag im Werner-Seelenbinder-Stadion das Marschieren.

Nicht dass sie das noch nie gemacht hätten, aber Kursleiter Silvio Hahn will ihnen den letzten Feinschliff geben. „An der Ecke ganz dicht aufrücken“, ruft er. Denn die Gardisten müssen um die Weitsprunggrube herum. Doch zunächst stellen sie sich in einer Kolonne auf, zwei Schritte Abstand zueinander. Als sie losgehen, dehnt sich die Formation wie eine Ziehharmonika und zieht sich vor der ersten Kurve wieder zusammen. Doch es klappt noch nicht so, wie sich das Silvio Hahn vorstellt. Also nochmal von vorne. Die Marschübung ist Teil eines ganzen Trainingstages. Neben den Salzwedelern sind auch Mitglieder des Hettstedter Fanfarenzuges mit dabei. In einem Gebäude hängt der Stundenplan für den Tag: Bläser, Trommeln, Notenlehre und Stabführung stehen dort unter anderem an der Wand, aber auch Ehrenkodex und Öffentlichkeitsarbeit. Der Ehrenkodex bezieht sich auf den Umgang mit Kindern. Knirpse sind im Seelenbinder-Stadion reichlich vertreten, allerdings bei einem parallel laufenden Fußballturnier. Auch Kampfsportler und Bogenschützen haben sich versammelt.

„Brust raus, Kopf hoch! Ihr strahlt Stolz aus“, hat ihnen Kursleiter Silvio Hahn eingeimpft. Die Salzwedeler Fanfarengarde hat außerdem ein Motto: „Mehr als nur Musik“.

Auf der Laufbahn marschieren unterdessen wieder die Gardisten aus Salzwedel und Hettstedt. Jung und Alt, erfahren und weniger erfahren sind bunt vermischt. In der Fanfarengarde mit ihren 25 aktiven Mitgliedern gibt es eine Altersspanne von acht bis 58 Jahren. Kursleiter Silvio Hahn bittet wieder zum Weitermachen. Nun baut er in sein Seminar ein neues Element ein: eine 180-Grad-Drehung. Die Gardisten stellen sich wieder in einer Kolonne auf und marschieren los. „In der Kurve kuscheln“, ruft er. „Sonst verzieht sich der Zug. Alles hängt von den Innenleuten ab“, meint er später, als in drei Reihen parallel geübt wird. Trotz des konzentrierten Trainings geht es locker zu. „Es gibt hier keine Lehrer, sondern eine Art gemeinsames Brainstorming“, erklärt Mario Schulz, der musikalische Leiter der Fanfarengarde. „Es gibt zwar Leiter, aber es ist ein Geben und Nehmen.“ An diesem Tag könne jeder alles ausprobieren, also die Bläser, die Trommeln usw. So teilt sich die Truppe auf.

Die Fanfarengarde Salzwedel 1947 präsentiert sich während der 26. Fanfaronade im mecklenburgischen Neustrelitz. Die Hansestädter nahmen zwar nicht am eigentlichen Wettbewerb teil, dafür aber am Weltrekordversuch – dem größten musikalischen Sternmarsch aller Zeiten.

Ein besonderes Erlebnis haben die Salzwedeler schon hinter sich. Sie sind Teil eines Weltrekordversuchs im mecklenburgischen Neustrelitz. Im Programm der 26. Fanfaronade, dem größten europäischen Leistungsvergleich, wollten die vielen teilnehmenden Fanfarenzüge sternförmig aus acht verschiedenen Richtungen auf den Marktplatz marschieren – mit einem Stabführer in der Mitte und alle zur selben Musik. Das Ganze wurde gefilmt und wird nun in London vom Guinness-Unternehmen geprüft. Vor drei Jahren war der Fanfarenzug bereits an einer derartigen Aktion beteiligt. Damals ging es in Potsdam um die längste Bläserkette der Welt – 400 in einer Reihe.

Zum Abschluss des Marschierkurses ist Leiter Silvio Hahn schließlich zufrieden: „Perfekt. Jetzt habt ihr es.“

Von Jens Heymann

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