Kommentar: Die Folgen der Bequemlichkeit der heutigen Jugend

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Wie sieht Jugendliche die Zukunft? Die aktuelle Shell-Jugend-Studie verrät es.

Ist es wirklich eine gute Nachricht, dass die heutige Jugend viel von ihren Eltern hält? Mehr als 90 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen haben der in dieser Woche veröffentlichten Shell-Jugendstudie zufolge ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Kein Wunder, wenn diese ihren Nachwuchs stundenlang vorm Computer hocken lassen.

Jeder dritte Jugendliche ist in seiner Freizeit am liebsten „gesellig“ und jeder Zwölf- bis 25-Jährige im Schnitt mehr als 18 Stunden pro Woche im Internet – vorwiegend, um Kontakte zu knüpfen und um zu sehen, was die anderen so machen. Die Studie sagt auch, dass fast allen Jugendlichen ein sicherer Job wichtig ist, Karriere aber nicht sein muss, denn nur 47 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen würden dafür Überstunden machen. Bei einem Acht-Stunden-Arbeitstag, anschließender „Geselligkeit mit Freunden“ und täglich fast drei Stunden im Internet bleibt in der Tat keine Zeit für Karriere. Auch nicht für Kinder, denn gerade 64 Prozent der 2500 befragten Mädchen und Jungen in diesem Alter wollen einmal Kinder haben.

Pickt sich unsere Jugend die Rosinen der Gesellschaft her-aus? Im Umkehrschluss bedeuten diese Analysen doch nichts anderes, als dass die Eltern den Kindern vermittelt haben, dass ein sicherer Job, nicht unbedingt Kinder und viel Freizeit mit Party und Surfen im Internet wichtig sind.

Man mag auf die Jugend schimpfen, dass sie solche Einstellungen zum Leben hat, und man mag mit Sorge in die Zukunft blicken – gerade in der Altmark, in der Jugendliche wenig Perspektiven sehen. Feiern gehen kann man besser in der Großstadt, im Internet surfen ist hier auch ein Problem. Sichere Jobs gibt es woanders eher – vor allem solche, bei denen man mehr Geld verdient, sich nicht die Hände schmutzig machen und mitten in der Nacht aufstehen muss.

„Geht in die weite Welt, geht in den Westen, da gibt es bessere Jobs, mehr Geld, mehr Party und WLAN, da habt ihr ein besseres Leben. Kinder müssen nicht sein, sie kosten Geld und behindern euch nur“ muss folglich – zugegebenermaßen zugespitzt – die Botschaft von Eltern an ihre Sprösslinge gelautet haben.

„Früher taugte die Jugend mehr“, wird die Misere heute gern abgetan. Schuld an den Ansichten der Jugend haben aber jene Eltern, die es sich offenbar zu einfach machen und lieber den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Damit gefallen sie ihren Kindern schließlich.

Warum nicht die Kinder an die frische Luft zum Spielen schicken? Weil es einfacher ist, sie vorm Computer sitzen zu lassen. Da nerven sie nicht. Warum die Kinder nicht auf dem Bauernhof den Kuhstall ausmisten lassen damit sie sehen, mit welchem Aufwand es verbunden ist, Milch zu produzieren? Weil sie dann maulig werden. Warum nicht die alten Brettspiele gelegentlich hervorkramen, um „Familie“ zu vermitteln? Gemeinsam kochen und essen statt Fast Food aus der Mikrowelle? Weil die Jugend dann verpasst, was „die anderen“ gerade online machen – und wieder maulig wird.

Wenn sich Eltern nicht wieder darauf besinnen, bei der Erziehung und Wertevermittlung nicht den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, und darauf, was ihre Eltern oder Großeltern ihnen vermittelt haben, dann gute Nacht!

Von Ulrike Meineke

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