Bei Nebel, Nacht und Nahverkehr – der Altmarkkreis gehört zu den Gebieten mit vielen Wildunfällen

So gut wie keine Reaktionszeit

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Bei einer Kollision mit einem Reh auf der Landesstraße 2 zwischen Wanzer und Pollitz (Landkreis Stendal) wurde eine 68-jährige Motorradfahrerin kürzlich schwer verletzt. Unfälle mit Wild passieren vor allem früh und abends, mahnt die Polizei. 

Altmarkkreis. Der erste Herbstnebel ist gestern im Altmarkkreis Salzwedel angekommen. Die verringerten Sichtverhältnisse allein sind für Autofahrer nicht einfach. Aber zusammen mit nun in der Herbstzeit aktivem Wild und längerer Dunkelheit kann es richtig gefährlich werden.

Die Polizei hat vor Kurzem die Situation im Altmarkkreis Salzwedel analysiert. In einem Beispielzeitraum von sechs Tagen registrierte das Revier insgesamt 27 Wildunfälle mit einem Blechschaden von rund 24000 Euro.

Die Ordnungshüter stellten fest, dass die Kollisionen zwischen Tier und Fahrzeug vor allem am frühen Morgen, elf Unfälle zwischen 4 und 7 Uhr, und am Abend, zehn Unfälle zwischen 20 und 22 Uhr, passieren. Auf ganz Deutschland hochgerechnet, kommt die Polizei auf einen gemeldeten Wildunfall etwa alle zweieinhalb Minuten. Besonders hoch seien die Zahlen im Juli und August sowie von September bis Januar aufgrund der Brunft- bzw. Blattzeit des Wildes, teilt die Polizei mit.

Die Behörde ermahnt Verkehrsteilnehmer zu erhöhter Vorsicht auf den Straßen. Vor allem dort, wo mittels Warnschild auf möglichen Wildwechsel hingewiesen wird.

Dass die Reaktionszeit für Autofahrer sehr kurz ist, zeigt eine andere Statistik aus dem Salzwedeler Polizeirevier. Denn in 80 Prozent der Fälle tauche das Wild innerhalb von 20 Metern vor dem Fahrzeug auf, heißt es. Und daraus folge leider: „Wer dann zu schnell unterwegs ist, hat keine Chance.“

Die größte Gefahr droht während der Morgen- und Abenddämmerung, in der Nacht und – wie eingangs erwähnt – bei Nebel. Auch nicht zu vergessen: Kreuzt ein Tier die Fahrbahn, ist es selten allein. Der Autofahrer muss also immer mit Nachzüglern rechnen. Wer sich vor solchen Überraschungen besser schützen will, sollte alles gut sehen können und daher im Wald das Fernlicht benutzen. Taucht Wild auf, heißt es: abblenden, abbremsen, hupen.

Die Polizei weist auch auf einen anderen Aspekt hin: Jeder Wildunfall wirkt sich auf den entsprechenden Versicherungsbeitrag aus. Der Altmarkkreis Salzwedel und der Landkreis Stendal weisen demnach eine recht hohe Anzahl an Wildunfällen auf. Die Teilkasko befindet sich laut Polizei auf Stufe 12, bei einer Einteilung von eins bis 16. Deutschlandweit gebe es nur noch in Bayern elf Landkreise mit derselben (sechs) oder einer höheren Einstufung (fünf).

„Ist der Zusammenprall nicht mehr zu vermeiden: Lenkrad gut festhalten und die Fahrspur halten“, rät die Polizei. Ein Ausweichen sollte vermieden werden, da eine Kollision mit einem Straßenbaum noch weit schlimmere Folgen hätte. Jedoch: Schon ein leichtes Wildtier schlägt mit hohem Gewicht ein.

Von Jens Heymann

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