Michael Benecke von der Salzwedeler Jeetze-Schule regiert zwischen Merkel und Lammert

Kanzlerin kam auf die Krawattenfrage

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Michael Benecke während seiner Rede im Plenarsaal des Bundestages als verfassungspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Salzwedel / Berlin. Als er von einem Sicherheitsschützer im Berliner Reichstag gefragt wurde, wer er denn sei, antwortete der 15-jährige Salzwedeler Michael Benecke: „Dr. Johannes Kaufmann von der APD..."

Michael Benecke (l.) im Gespräch mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert.

Das war keine Aufschneiderei – dem jungen Altmärker war nach vier Tagen Fraktionsarbeit seine Rolle in Fleisch und Blut übergegangen. Er war, wie 314 andere Jugendliche aus ganz Deutschland auch, Teilnehmer am Planspiel „Jugend und Parlament”.

Und als solcher bekam er die Identität von Dr. Johannes Kaufmann, einem Winzer aus Rheinland-Pfalz, der sein Studium abgebrochen hatte, um Geschäftsführer der international agierenden Weinfirma seiner Familie zu werden. Das Besondere: Die Kaufmanns sind alte APDler. Die Arbeitnehmerpartei Deutschlands stand beim Planspiel „Jugend und Parlament”, bei dem die 314 Jungen und Mädchen vier Tage lang wie der richtige Bundestag arbeiteten, für die SPD.

Ausgewählt hatte die altmärkische Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Linke) den Jeetze-Schüler aus Salzwedel, der auch dem sachsen-anhaltinischen Landesvorstand der Jungen Union angehört. Ein Umstand, der Kunert bekannt war. „Warum soll ich nicht vernünftige CDU-Mitglieder für die Zukunft entwickeln?“, schmunzelte Kunert im AZ-Gespräch.

„Jugend kann Parteikrusten aufbrechen“, sagt die altmärkische Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert und bot Michael Benecke (Junge Union) die Teilnahme am Planspiel „Jugend und Parlament” an.

Doch zurück nach Berlin, wo der von der Linken nominierte Christdemokrat für die Sozialdemokraten auf der Fraktionsbank saß und sich ein Zimmer mit drei bayerischen CSUlern teilen musste. Seine Bundestagsidentität wie auch die Parteizugehörigkeit war per Computer ausgewählt worden. „Ich musste mich somit mit ganz anderen Standpunkten und Meinungen nicht nur auseinandersetzen, sondern mich damit auch sehr eindringlich beschäftigen“, sagt der Jeetze-Schüler und hat so eine wichtige Erfahrung für sich aus dem Bundestag mitgebracht: „Überparteiliches Denken – mehr auf die Argumente der Anderen hören.“ Benecke muss unwillkürlich schmunzeln: „Es war schon witzig, wenn die bayrischen CSUler Reden mit sozialdemokratischen Inhalten hielten.“ Er selbst hat auch im Plenarsaal geredet – als verfassungspolitischer Sprecher seiner Fraktion stilecht mit rotem Schlips zum Thema „Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz”. Danach traf der Salzwedeler Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die sagte zu ihrem Parteifreund Michael Benecke augenzwinkernd: „Das mit der roten Krawatte habe ich mitbekommen.“

Ansonsten dauerte die Arbeit im Reichstag von morgens 8 Uhr bis abends 20, 21 Uhr, schildert der Salzwedeler. Themen waren zum Beispiel ein Bundeswehreinsatz in Afrika und der Tierschutz. „Ich habe ihn beobachtet, wie er mit dem Handy gespielt hat“, grinst Katrin Kunert. Ganz wie die richtigen Abgeordneten.

Von Holger Benecke

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