Geschäftsführer und Prokuristin gefeuert / Norbert Hundt neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Jeetze-Landschaftssanierung: Märchenhafter Rausschmiss

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Die Bürgermeisterin Sabine Blümel wird nicht müde zu betonen, dass der Märchenpark erhalten bleibt.

Salzwedel. Dem Geschäftsführer der Jeetze-Landschaftssanierung, Michael Thätner, und seiner Prokuristin, Cornelia Wiechmann, wurde Montagabend der Stuhl vor die Tür gesetzt.

Geschäftsführer Michael Thätner.

Die Gesellschaft soll nach dem Acht-Punkte-Plan von Bürgermeisterin Sabine Blümel, den der Stadtrat abgesegnet hat, zum Jahresende aufgelöst werden. Daher müssen die Kündigungen ein halbes Jahr vorher ausgesprochen werden.

Auf Rückfrage der AZ im Bürgermeisterbüro ließ Sabine Blümel ihren Sprecher, Andreas Köhler, verlautbaren: „Die Gesellschafterversammlung der Jeetze-Landschaftssanierung ist grundsätzlich nicht öffentlich, ebenso ihre Beschlüsse. Es ist bekannt, dass die Gesellschaft aufgelöst werden soll, das ist Bestandteil des Liquiditätsplans, der vom Stadtrat beschlossen wurde.“ Und ergänzend: „Personalentscheidungen werden nicht kommentiert.“

Auch die Aufsichtsratsvorsitzenden der Jeetze-Landschaftssanierung schoben sich gestern gegenseitig den Schwarzen Peter zu. In diesem Fall ist „die“ Aufsichtsratsvorsitzenden richtig, denn Montagabend wählte die Gesellschafterversammlung einen neuen. Norbert Hundt (SPD / „Für Salzwedel“) übernahm das Amt von Reinhold Butze (CDU). Hundt, der die Gesellschaft nun bis zur Auflösung am Jahresende vertreten soll, wollte zu den Kündigungen nichts sagen. Das sei vor seiner Wahl geschehen und liege folglich auf dem Tisch von Reinhold Butze. Der kommentierte gestern: „Ich habe damit nichts zu tun. Ich bin nicht mehr in der Jeetze-Landschaftssanierung“, und verwies auf Hundt.

Geschäftsführer Michael Thätner sagte, dass ihn die Kündigung nicht überrascht habe. Klagen könne er als Geschäftsführer dagegen nicht. Und wie es weitergehe, wisse er auch noch nicht.

Prokuristin Cornelia Wiechmann.

Ganz anders Cornelia Wiechmann, der gestern früh die Kündigung von ihrem gekündigten Geschäftsführer überreicht wurde. Wiechmann hat der plötzliche Rausschmiss schwer erschüttert: „Es ist ein Schock. Ich bin krank.“ Sie, wie auch Thätner, sind seit dem 1. Februar 1992 – also fast ein Vierteljahrhundert – bei der Jeetze-Landschaftssanierung, haben den Betrieb aufgebaut. Der Märchenpark war dabei das Kind von Cornelia Wiechmann. Seit 2002 hat sie daran gearbeitet, das Areal immer wieder erweitert und zuletzt die Spielscheune dem Ensemble hinzugefügt. Seit 2003 kamen über 780 000 Besucher in den Märchenpark.

Wie es nun weitergehen soll, weiß auch Cornelia Wiechmann nicht. Zwar wurde Bürgermeisterin Sabine Blümel nicht müde zu betonen, „der Märchenpark bleibt erhalten“, als sie ihr Acht-Punkte-Liquiditätskonzept durch den Stadtrat peitschte, doch Cornelia Wiechmann wundert sich, wie dies ohne ein engagiertes Team funktionieren soll, wenn auch allen anderen Märchenpark-Mitarbeitern gekündigt wurde.

Neben Wiechmann fragen sich die 70 000 bis 100 000 Besucher, die jedes Jahr in den Märchenpark strömen, wie es weitergehen soll. Im Rathaus hüllen sich die Verantwortlichen in Schweigen.

Von Holger Benecke

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