Gekündigte Mitarbeiter wollen nicht für sanierten Haushalt in Salzwedel über die Klinge springen

Jeetze-Landschaftssanierer: „Wir kämpfen für unsere Jobs“

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„Die Bürgermeisterin will die Stadtkasse sanieren, und wir sollen dafür bluten.“ Mit dem Wissen der Kündigung zum 31. Dezember ackern die Mitarbeiter der Jeetze-Landschaftssanierung der Arbeitslosigkeit entgegen – für eine saubere Stadt, die sie nicht mehr haben will.

Salzwedel. Die Hansestadt und ihre Ortsteile haben einen großen Grünbereich. Und wer sich an Straßen und Plätzen so umsieht, könnte glauben, dass ein Job im Bereich der Grünpflege dort krisensicher ist.

Nicht so bei 15 fest angestellten Mitarbeitern der Jeetze-Landschaftssanierung. Sie mähen, harken, putzen und pflegen sich jeden Tag näher an ihre Arbeitslosigkeit heran, die ihnen ab 1. Januar droht.

Bürgermeisterin Sabine Blümel

Denn die Gesellschaft soll nach dem von Bürgermeisterin Sabine Blümel entwickelten und vom Stadtrat abgesegneten Liquiditätskonzept zum 31. Dezember aufgelöst werden. Da gibt es dann für 15 Mitarbeiter nur einen einzigen Wunsch für das neue Jahr: Arbeit.

Noch zu Beginn dieses Jahres war an einem Konzept gefeilt worden, die Landschaftssanierer nach Auflösung der Gesellschaft dem Bauhof anzugliedern. Der sollte dann von seinem Standort an der Lüneburger Straße in das Jeetze-Objekt im alten Wasserwerk an der B 71 ziehen.

Doch dann kam im Sommer die mündliche Kündigung. Die 15 fest angestellten Landschaftssanierer waren schockiert. Der größte Teil von ihnen ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Da sind die Jobaussichten nicht gerade rosig. Erst einmal haben sich die Landschaftssanierer beim Bauhof der Stadt beworben. Bürgermeisterin Sabine Blümel habe ihnen daraufhin erklärt, dass sie sich das hätten sparen können, weil niemand eingestellt werde.

„Und wer hält dann die Stadt und die 48 Ortsteile in Schuss?“, fragen die Noch-Beschäftigten, während sie den verwucherten Parkplatz am Chüdenwall auf Vordermann bringen. Auch ihre Fragen nach einem Sozialplan sind bislang unbeantwortet geblieben. Sie hadern auch mit den Ortsbürgermeistern: „Warum stellen die sich nicht hinter uns?“, berichten die Landschaftssanierer von den Anrufen aus den Gemeinden, dort Ordnung zu schaffen. Zum Beispiel Pretzier: „Dort haben wir alle zwei Wochen drei bis vier Tage zu tun.“ Oder auch im Wohnort der Bürgermeisterin – Tylsen feiert am letzten Augustwochenende 1060-jähriges Bestehen. „Wir müssen auf Anweisung jeden Monat die nicht einmal der Kommune gehörende, sondern gepachtete Festwiese mähen, damit dort zur Feier alles schick ist. Nächstes Jahr braucht sie uns ja nicht mehr“, sind die Männer stinksauer auf Bürgermeisterin Sabine Blümel.

Die hatte ihnen bei einem Gespräch gesagt, dass sie sich nicht an die Presse wenden sollten, sondern zu ihr kommen könnten. „Einige Kollegen haben vor drei oder vier Wochen um einen Termin bei der Bürgermeisterin gebeten und bis heute keine Antwort bekommen“, winkt einer der Betroffenen ab. „Wir haben uns für die Stadt und die Dörfer zehn, zwölf Jahre die Hände blutig gearbeitet. Unser Schweiß klebt am Märchenpark, am Rathausturmplatz, am Burggarten ... alles Objekte, die eigentlich der Bauhof pflegen soll“, macht einer der Männer seinem Ärger Luft. „Wir wollen keine Abfindung, wir wollen weiter arbeiten. Und wir werden weiter dafür kämpfen“, nehmen die Männer ihre Motorsensen und ackern sich verbissen durch die Büsche am Chüdenwall.

Von Holger Benecke

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