Hans Mettel: Sohn der Hansestadt bereitete die bedeutendste Kunstausstellung vor

100 Jahre Documenta – ein Salzwedeler war Initiator

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Die Skulptur „Der große Sitzende“ gehört zu den berühmtesten Werken des gebürtigen Salzwedelers Hans Mettel. Sie wird heute in Offenbach am Main ausgestellt. Im nächsten Jahr ist die 14. Documenta in Kassel.

Salzwedel. Sie ist die bedeutenste Ausstellung für zeitgenössische Kunst weltweit – die Documenta in Kassel. In diesem Jahr wird sie 60 Jahre alt. Einer, der damals zu den fünf Initiatoren der ersten Ausstellung gehörte, war der gebürtige Salzwedeler Hans Mettel.

Gemeinsam mit dem Hauptinitiator, dem Kasseler Kunstprofessor Arnold Bode, bereite Hans Mettel die Ausstellung im Jahr 1955 vor und stellte auch selbst aus.

Den Organisatoren gelang es, anlässlich der Bundesgartenschau mehr als 130 000 Besucher anzuziehen. Die Documenta gilt als einer der ersten großen Kunstausstellungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Gezeigt wurden viele zu NS-Zeiten verbotene Werke. Hans Mettel gehörte auch bei den folgenden zwei Documenta-Ausstellungen in den Jahren 1959 und 1964 zu den ausstellenden Künstlern.

Mettels Großneffe Dr. Ulf Schmidt.

Die jüngste Documenta, im Jahr 2012, hatte mehr als 860 000 Besucher. Einer davon war der Salzwedeler Dr. Ulf Schmidt. Er ist ein Großneffe des Künstlers und lebt mit seiner Familie in dessen Geburtshaus in Salzwedel. Ulf Schmidt organisierte schon eine Führung in Salzwedel, die sich mit dem berühmten Stadtsohn beschäftigte. Hans Mettels Kunst ist in der Hansestadt an wenigen Orten zu sehen, wie zum Beispiel eine Skulptur im Hof der Kreismusikschule. Im Danneil-Museum gab es Ausstellungen zum Schaffen des Künstlers und Museumsleiter Ulrich Kalmbach publizierte im Jahr 2003 ein Werk über das Wirken des Künstlers.

Hans Mettel gehörte vor 100 Jahren zu den Initiatoren der ersten Documenta.

Hans Mettel wurde am 10. April 1903 als Sohn des Steinbildhauers Carl Mettel in Salzwedel geboren. Er besuchte das staatlich humanistische Gymnasium, das heutige Jahn-Gymnasium – wo ein von ihm geschaffenes Gefallenendenkmal steht. Im Jahr 1921 begann Mettel eine Lehre als Steinbildhauer in Dresden, besuchte danach die Vereinigte Staatsschule für freie und angewandte Kunst in Berlin und wurde Meisterschüler an der Preußischen Akademie für Bildende Künste. Nach einem Jahr Studienaufenthalt in Rom erhielt Mettel dort 1931 den Staatspreis für seine Werke. Seit diesem Jahr hatte er auch ein Atelier in Berlin. „Das wurde im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört“, weiß Dr. Ulf Schmidt.

Im Jahr 1936 wurde Mettels Kunst unter dem nationalsozialistischen Regime als entartet deklariert und er erhielt Ausstellungsverbot. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als Soldat von 1940 bis 1945 zwangsverpflichtet und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Danach kehrte Mettel 1946 nach Salzwedel zurück. Schon ein Jahr später erhielt er eine Berufung als Professor und Leiter der Bildhauerklasse der Städelschule in Frankfurt am Main und war dort von 1950 bis 1956 Direktor. Im Jahr 1957 wurde Mettel mit dem Kunstpreis der Stadt Darmstadt ausgezeichnet. Hans Mettel starb am 23. Januar 1966 in seinem Haus in Falkenstein im Taunus.

Von Birte Grote

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