63 Kilo Cannabis

Indoor-Plantage in Salzwedel: Drei Angeklagte vor Gericht

Salzwedel. Ganze 1594 Cannabispflanzen stellten Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) im September 2015 sicher, als sie das „Pumpe“-Gelände in Salzwedel stürmten, da dort eine Indoor-Plantage vermutet worden war (wir berichteten). Drei Vietnamesen wurden dabei verhaftet.

Die jungen Männer (29, 22 und 21 Jahre alt) mussten sich gestern wegen Beihilfe zum Handel mit Betäubungmitteln im Salzwedeler Amtsgericht vor einem Schöffengericht verantworten. Ein Vierter im Bunde konnte damals fliehen.

Am 30. September 2015 stürmte ein Sondereinsatzkommando um 8 Uhr das Gelände am Gerstedter Weg 18. Vier Räume mit Cannabispflanzen in den unterschiedlichen Wachstumsphasen fanden die Beamten in den Kellerräumen der ehemaligen Diskothek. „Das war eine hochprofessionelle Anlage mit Belüftung, Bewässerung und Natriumdampflampen. Auch das Hauptkabel der Stromversorgung war fachmännisch abgeklemmt“, erzählt der Einsatzführer der Zentralen Kriminalitätsbekämpfung aus Stendal vor dem Richtertisch.

In dem Wohnbereich, der im Erdgeschoss eingerichtet worden war, fanden die Beamten Nahrungsmittel und Getränke für mehrere Wochen, Handys, PC-Tablets, Fernseher und eine Spielekonsole.

Illegal seien sie in Deutschland, gaben die drei Männer auf der Anklagebank zu. Sie sitzen seit fünf Monaten in Untersuchungshaft. Sie seien aus ihrem Heimatland Vietnam „geflohen“, sagten sie, in der Hoffnung auf bessere Arbeit, mehr Geld und ein besseres Leben für sich und ihre Familien.

Sie alle wurden in Deutschland von Landsleuten angesprochen, ob sie sich gärtnerische Tätigkeiten zutrauen würden. „Aber die Anlage war ungewöhnlich ungepflegt, die Pflanzen waren schimmelig und es hat nach Verwesung gerochen“, so eine LKA-Beamtin.

Nichtsdestotrotz hätte eine Ernte rund 63 Kilo Cannabis eingebracht. „Bei einem Marktwert von rund 7,50 Euro pro Gramm in Salzwedel sind das über 475 000 Euro Verkaufspreis“, rechnete Richter Klaus Hüttermann vor, und damit sei der Bestand des minderschweren Falles, auf den die vier Verteidiger der Angeklagten pochten, nicht mehr gegeben.

Für den 29-jährigen und den 22-jährigen Angeklagten sprach das Schöffengericht eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten aus. Den 21-Jährigen erwartet eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten – alle ohne Bewährung.

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