Uwe Krüger und Ines Kaiser behandeln mit einer alternativen Methode

Hypnose: Heilung im Halbschlaf – AZ-Volontärin wagt den Selbsttest

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Bei einem Besuch des Hypnotiseurs Uwe Krüger wagte AZ-Volontärin Melanie Friedrichs spontan den Selbsttest und ließ sich von ihm für zirka zehn Minuten in Trance versetzen.

Holzhausen. Hypnose – ein Thema, das viele Menschen ungläubig den Kopf schütteln lässt.

Das erste Bild, dass mir dazu in den Sinn kommt: Ein Hypnotiseur drückt einem ahnungslosen Probanten sachte die Finger auf die Stirn, murmelt ein paar Worte, und der Mensch sackt zusammen. Wenn er seine Augen wieder öffnet, ist er der Überzeugung, der Apfel in der Hand wäre eine Möhre.

Doch die Hypnose ist zu weit mehr in der Lage, als ein Publikum zu belustigen. Hypnose kann Schmerzen lindern, Gefühle beeinflussen oder eine Sucht heilen. Bis man so weit ist, braucht es Zeit. Uwe Krüger begann vor 20 Jahren, sich dem Thema zu nähern. Zunächst nur mit einem Ein-Tages-Kurs. „Außerdem habe ich viel selbst ausprobiert“, blickt er zurück. Später kam eine Ausbildung bei einem Hypnotiseur in der Schweiz hinzu. Ebenfalls an der alternativen Heilmethode interessiert, lernte er seine Lebensgefährtin, Ines Kaiser, kennen.

Wo Zeit keine Rolle spielt

In ihrer Praxis in Zwickau war zu wenig Platz, weshalb sich Ines Kaiser (Mitte) und Uwe Krüger eine neue Bleibe in der Altmark suchten. Auch Tochter Elisabeth Albrecht wohnt momentan auf dem idyllischen Grundstück im Dährer Ortsteil Holzhausen.

Gemeinsam eröffneten sie eine Praxis in Zwickau mit dem Hauptaugenmerk auf schamanischer Arbeit und Hypnose. Doch in Zwickau fehlte der Platz, und sie zogen im Januar 2014 auf ein idyllisches Grundstück im Dährer Ortsteil Holzhausen. „Dort, wo Zeit keine Rolle spielt und weit ab vom Schuss“, nennt Ines Kaiser die Vorteile. Ich lernte das Paar in der Kreisvolkshochschule Salzwedel kennen, wo sie einigen Interessierten ihre Arbeit näher vorstellten – und war sofort fasziniert. Meine Frage, eine Hypnose selbst einmal mitzuerleben, mussten sie damals ablehen. Begründung: Eine Hypnose sei eine sehr intime Angelegenheit. Denn die Ursachen für Schmerzen oder eine Sucht lägen tief in den Gefühlen und Empfindungen des Menschen versteckt, wie man mir erklärte. „Viele wollen nicht mal ihre Partner dabei haben. Sie sind dafür zu aufgeregt und wissen nicht, was sie erwartet“, sagte Ines Kaiser.

Nun fand sich doch jemand: Elisabeth Albrecht, die Tochter der 50-Jährigen. Sie kennt das Prozedere der Hypnose bereits und schon oft habe es ihr bei der Bewältigung von Problemen geholfen.

In der nächsten Sitzung will sich Uwe Krüger mit den Essgewohnheiten von Elisabeth auseinandersetzen. „Entweder ich wiege alles ab und achte genau auf die Kalorienzahl. Oder ich stopfe nur so in mich hinein“, beschreibt sie mir das Problem. Wir gehen in eines der Zimmer, und die junge Frau macht es sich in einem Sessel bequem.

Dann geht es auch schon los. Uwe Krüger macht leise Entspannungmusik an. „Das ist eigentlich nicht wichtig. Ich könnte einen Menschen überall in Hypnose versetzen“, erklärt er. Dann wendet er sich Elisabeth zu und sagt leise und in ruhigem Ton: „Du atmest völlig ruhig und gleichmäßig. Du stellt dir vor, wie du dich tiefer entspannst.“ Was dann passiert, ist schwer zu beschreiben. Elisabeth Albrecht ist in Trance versetzt. Der Hypnotiseur stellt Fragen, sie antwortet – und durchlebt dabei verschiedene Situationen in ihrem Leben, die Ursachen für ihre unliebsame Angewohnheit zu sein scheinen. Auch aus vorherigen Leben, zum Beispiel im Mittelalter.

Ein bisschen Hokuspokus

Sie kann alles genau beschreiben. Ihr Alter, das Wetter, ihre Umgebung. Für den einen Hokuspokus, doch in der Hypnose ein fester Bestandteil. „Dass man immer wieder geboren wird, daran muss man nicht glauben. Aber wir sind davon überzeugt“, erklärt Ines Kaiser mir später.

Uwe Krüger gelingt es, die psychische Ursache für Elisabeths Problem zu finden und löst die Blockade. Die Sitzung dauert gut anderthalb Stunden. Dann öffnet die 30-Jährige ihre Augen. „Jetzt weißt du Bescheid“, sagt Uwe Krüger lächelnd. Ich bin verwirrt und frage nach. „Man ist während der Hypnose komplett da. Ich höre alles, was ich sage“, erklärt Elisabeth Albrecht, „aber ich könnte mich nicht selbst bewegen.“ Jetzt braucht es Geduld. Ob ihr Problem gelöst ist, wird sich an ihren Essgewohnheiten feststellen lassen.

Ich kann es immer noch nicht glauben und versuche mir zu erklären, wie das alles funktioniert. Denn eine biologische Erklärung, wie genau das mit der Hypnose funktioniert, gibt es nicht.

„Am besten du probierst es einfach aus. Nur für zehn Minuten zum Entspannen“, wird mir vorgeschlagen. Ich werde nervös. Mich reizt das Angebot. Andererseits bekomme ich bei der Ungewissheit ein mulmiges Gefühl. Ich gebe mir einen Ruck und nehme auf dem Sessel Platz. „Du wirst denken, du bist nicht in Hypnose“, bereitet mich Uwe Krüger auf die neue Erfahrung vor. Mein Herz klopft bis zum Hals. Wie soll ich mich dabei entspannen? Der 57-Jährige beginnt im gleichen ruhigen Ton zu sprechen wie schon zuvor. Und zu meiner Überraschung klappt es: Es dauert zwar einen Moment, aber meine Atmung wird ruhiger, und ich entspanne mich. Auch mein Herz schlägt wieder normal. „Stell dir eine geschwungene Wendeltreppe vor. Mit jedem Atemzug gehst du eine Stufe weiter hinunter.“

Tiefenentspannt erscheint vor meinem inneren Auge mein Lieblingsplatz. Die Brücke auf unserem Grundstück. Die Sonne scheint, und es ist wohlig warm. In diesem Moment könnte es für mich nichts Schöneres geben, und ich vergesse alles um mich herum. Uwe Krüger fragt, wo ich mich befinde. Ich erzähle es ihm und bin mir selbst nicht sicher, warum. Ich kann nichts dagegen tun. Es passiert einfach.

Tonnenschwer oder federleicht

Mir kommt der Satz in den Sinn, dass man sich während der Hypnose nicht bewusst bewegen kann. Ich versuche, meinen Körper ein wenig aufzurichten. Es passiert absolut nichts. Es fühlt sich ein bisschen an, als würde ich tief in den Sessel gedrückt werden.

Nach einer Weile zählt der Holzhausener von fünf runter, und ich öffne meine Augen. „Es ist bei jedem anders. Der eine denkt, er schwebt, andere fühlen sich tonnenschwer“, erläutert er mir, als ich meine Eindrücke schildere. Ich erfahre außerdem, dass die Gehirnregionen für Bilder und Gefühle unter Hypnose 10-mal aktiver sind. Übrigens: Den Trancezustand, in den man bei der Hypnose gelangt, hat man in ähnlicher Weise am Tag ungefähr 100-mal. Man nennt das Tagträumen. Uwe Krüger hat dafür auch gleich ein Beispiel parat: „Wenn man auf der Autobahn unterwegs ist und sich an bestimmte Abschnitte plötzlich nicht mehr erinnern kann.“

Mir wird dieses Erlebnis wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Wer neugierig geworden ist, kann sich per E-Mail unter kontakt@seve-zentrum.de an das Paar wenden. Und sein ganz eigenes Erlebnis daraus machen.

Von Melanie Friedrichs

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