Von Woche zu Woche

Hohn in den Ohren der Eltern

Eltern wissen nicht mehr weiter. Gregor Gysi von den Linken soll es richten, das Fernsehen soll berichten. Die Eltern legen den Finger in die Wunde, denn es geht um die Bildung ihrer Kinder.

Durch Personalmangel in den Tagesstätten bleibe vorschulische Bildung auf der Strecke, Personalmangel an den Schulen führe zu Ausfallstunden und damit ebenfalls dazu, dass Bildung auf der Strecke bleibt. Die Lehrer, die da sind, gehen auf die Rente zu, neue Pädagogen will das Land nicht einstellen. Im Gegensatz warten junge Lehrer, die frisch von der Uni kommen, mitunter Jahre darauf, endlich eingesetzt zu werden. Eltern von Kindern aus der Dährer Tagesstätte und der Henninger Schule haben mit ihrem „Notruf“ eine grundlegende Debatte über Bildung losgetreten. Für Gregor Gysi gefundenes Fressen, seine Partei fordert ohnehin, die Ausgaben für Bildung im Bundeshaushalt um 40 Milliarden Euro aufzustocken. Die Linken wollen einen Rechtsanspruch jedes Kindes auf gebührenfreie, ganztägige und hochwertige Kinderbetreuung. In der Opposion – die Linken haben nur 64 Abgeordnete im Bundestag – sagt sich so etwas leicht. Gysi verweist aber auch auf die Verantwortung der Länder in Sachen Bildung.

Erster Ansprechpartner für die Kita-Eltern ist die jeweilige Kommune, im Fall Dähre die Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf. Die Eltern wissen aber, wie die Bürgermeisterin reagieren wird, haben deshalb ihren „Notruf“ ohne ein Gespräch mit ihr verschickt. Und so, wie die Eltern vermutet haben, kam es schließlich auch: Bürgermeisterin Christiane Lüdemann verweist auf den Betreuungsschlüssel nach dem Kinderförderungsgesetz, darauf, dass alle Erzieherinnen einen unbefristeten Vertrag hätten und dass es in Dähre auch noch einen Bundesfreiwilligendienstler und zwei technische Kräfte gebe. Es reicht den Eltern aber ganz und gar nicht, wenn sich Christiane Lüdemann auf diese Argumente zurück zieht, sich zurück lehnt nach dem Motto: „Hier hat doch alles seine Ordnung“. Dass sie dann auch noch ein Krisengespräch mit den Erziehern ohne die Eltern ansetzt, bringt letztere zusätzlich in Rage. Warum nicht offene Worte in großer Runde? Alle an einen Tisch?

Es ist auch kein Einzelfall, dass an einer Schule wie in Henningen seit einem halben Jahr der Englisch-Unterricht ausfällt, weil die Lehrerin krank ist. Sie wird wohl noch länger ausfallen, mutmaßt man. Schulleiter Falko Pabst findet deutliche Worte, denn auch ihm missfällt die Situation. Das Kultusministerium stelle keine Lehrer mehr ein, der Finanzminister gebe kein Geld. Das ist laut Pabst eine „verfehlte Schulpolitik“. Er würde sich schon über junge Referendare freuen, die sein Team entlasten. Aber die Referendare sitzen vielfach zu Hause, weil sie vom Kultusministerium nicht zugewiesen werden. Eine schizophrene Situation.

Dähre und Henningen stehen stellvertretend für viele Kindertagesstätten und Schulen. Da klingt es wie Hohn in den Ohren der Eltern, wenn sich die Politiker im Land wie im Bund hinstellen und sagen: Kinder sind unsere Zukunft! Wenn die Politiker nicht endlich damit aufhören, die Verantwortung für die „verfehlte Schulpolitik“ hin- und herzuschieben, muss man sich nicht wundern, wenn aus den Kindern nichts Vernünftiges wird. Da ist es kein Trost, wenn die Eltern für sich in Anspruch nehmen können, dass es nicht an ihrer Erziehung lag.

Von Ulrike Meineke

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