Warmer Winter und trockener Sommer beeinträchtigen die Baumgesundheit

Hitze stresst die altmärkischen Wälder

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Hitzestress und Versteppung der Landschaft sind Folgen des Klimawandels. Die Jahresmitteltemperatur hat sich seit Beginn der 1990er Jahre um fast ein Grad Celsius erhöht.

Altmark. Der Klimawandel durchzieht mit seinen gemessenen und registrierten Auswirkungen auf die heimischen Forsten nahezu den gesamten aktuellen Waldzustandsbericht 2015. Jüngst hatte ihn Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Dr. Hermann Onko Aeikens vorgestellt.

Der jährliche Gesundheitszustand der Wälder wird von der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen durch Einschätzung des Belaubungs- bzw. Nadelzustandes erhoben, die Ergebnisse werden im Waldzustandsbericht veröffentlicht.

Trockenstress, Insekten und Pilze machten den Bäumen in den vergangenen Jahren so sehr zu schaffen, wie kaum jemals zuvor: Borkenkäfer, Läuseschäden an Nadelbäumen, die Eichenfraßgesellschaft, Kieferngroßschädlinge und Nonne, die höchste seit 1971 gemessene Mäuseplage sowie das Eschentriebsterben registrierten die Wissenschaftler um Prof. Dr. Johannes Eichhorn, Dr. Uwe Paar, Inge Dammann und Dr. Jan Evers.

Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht litten die Buchen 2015 besonders unter Hitzestress. Das äußerte sich unter anderem in der Verlichtung der Kronen.

Die Jahresmitteltemperatur für das Vegetationsjahr hat sich seit Beginn der 1990er Jahre um fast ein Grad Celsius erhöht. Im vergangenen Winter war es in der Altmark deutlich zu warm. „Das Frühjahr und der Frühsommer 2015 waren zu trocken, im Juli und August wechselten Hitzeperioden mit heftigen Gewittern und örtlichem Starkregen“, so die Forscher. Rotbuchen und auch andere Laubbäume wie Birke, Linde und Hainbuche reagierten auf die warm-trockene Witterung mit erhöhten Kronenverlichtungswerten. Die jungen Kiefern dagegen zeigten eine dichtere Benadelung als in den Vorjahren.

Die mittlere Kronenverlichtung der Waldbäume in Sachsen-Anhalt beträgt in diesem Jahr 16 Prozent. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 15 Prozent. Seit 2009 ist die mittlere Kronenverlichtung damit relativ stabil. Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung zeigen einen deutlichen Alterstrend: Die mittlere Kronenverlichtung der über 60-jährigen Waldbestände liegt mit 18 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die der jüngeren Waldbestände (acht Prozent). Der Kronenzustand der Kiefer ist weiterhin deutlich besser als der von Fichte, Buche und Eiche. Die Kronenverlichtung der Fichte beträgt in diesem Jahr 27 Prozent, 2005 waren es noch 35 Prozent.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass die Witterungsverhältnisse für die altmärkischen Wälder komplizierter geworden sind. „In den vergangenen Jahren fiel das Frühjahr oft zu trocken aus, seit dem Frühjahr 2013 waren fast alle Monate im Flächenmittel von Sachsen-Anhalt zu warm“, so die Forstexperten aus Göttingen. Das habe Auswirkungen, etwa auf Waldbrandgefahr, Kohlenstoffaufnahmefähigkeit der Böden und das Wachstum der Bäume, hieß es. Es bedarf aktiver Anpassungsmaßnahmen, um die negativen Wirkungen in Grenzen zu halten.

Die Baumartenverteilung in Sachsen-Anhalt ergibt für die Kiefer einen Flächenanteil von 51 Prozent, die Fichte ist mit 12 Prozent, die Eiche mit 11 Prozent und die Buche mit 9 Prozent vertreten. Die anderen Laubbäume nehmen einen Anteil von 16 Prozent, die anderen Nadelbäume von einem Prozent ein.

Von Kai Zuber

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