Salzwedel: Familienachterbahn vor dem Bürgercenter / Feuerwerk am Freitagabend

Hinter den Kulissen des Hansefestes: Arbeitsplatz Achterbahn

+
„Meinen Garten nehme ich einfach immer mit“, sagt Christina Heinerici. Die Frau aus der Uckermark ist Schaustellerin mit Leib und Seele.

Salzwedel. Das 20. Hansefest in Salzwedel beginnt morgen mit der langen Freitags-Einkaufsnacht und einem Feuerwerk. Auf der Festmeile sind auch dieses Jahr wieder die Hansestädte Stralsund und Neuss sowie das jüngste Mitglied im Hansebund der Neuzeit – die Nachbarstadt Uelzen - vertreten.

Konzentriert steuert Christina Heinerici den Hebearm, um ein weiteres Teil der Schienen für ihren „Tornado II“ anzubringen. Zwei Tage brauchen sie, ihr Mann Holger und ihr Mitarbeiter, um die Familienachterbahn aufzubauen, die ab Freitag auf dem Salzwedeler Hansefest . Doch trotz der unzähligen Teile kennt das Trio den Aufbau ihres „Tornados“ aus dem Effeff.

Der Aufbau der Schausteller war am Mittwoch in vollem Gange.

„Wir sind ja auch schon seit vier Jahren mit dem Karussell unterwegs“, begründet Christina Heinerici. Zehnmal war sie schon in Salzwedel, doch bisher haben Heinericis ihr Fahrgeschäft nur für den Nysmarkt aufgebaut. Salzwedel ist eine von zirka 35 Stationen, die die Schausteller im Jahr mit zwei Lkw und einem Auto bereisen. „Los geht es eigentlich jedes Jahr im März und dann bis Dezember“, erzählt sie. Drei Monate im Jahr kommt also etwas Ruhe in das rasante Leben des Ehepaares. Dann ziehen sie sich auf ihren festen Wohnsitz in der Uckermark zurück. Dort verleben und genießen die zwei auch die einzigen Feiertage, an denen sie mal nicht bis in die Nacht auf den Rummelplätzen der neuen Bundesländer verbringen: das Weihnachtsfest.

Von einem Rummel zum nächsten ziehen und das Leben im Wohnwagen, das liegt Christina Heinerici im Blut. „Wir machen das hier jetzt schon in der dritten Generation“, betont sie. Und die Liebe für den doch eher ungewöhnlichen Beruf bleibt, denn die Frau sieht in erster Linie den großen Vorteil des Schausteller-Daseins. „Das ist definitiv die Freiheit. Immer wieder von einem Ort zum anderen zu ziehen.“ Auch ihren mit über 50 Quadratmeter ziemlich geräumigen Wohnwagen beschreibt die Uckermarkerin „schöner als viele andere Wohnungen“. Und wer nachts lange arbeitet, darf natürlich auch morgens viel länger schlafen. „Also morgens kommen wir nicht vor neun Uhr raus. Vielleicht sind Schausteller deswegen so entspannt“, überlegt Christina Heinerici lachend.

Außerdem verändert sich die Nachbarschaft nicht so sehr, wie mancher denkt. Denn die Schausteller kennen sich untereinander. „Nach dem Hansefest gehen alle getrennte Wege, aber man trifft sich irgendwo immer wieder“, weiß Heinerici aus Erfahrung. Mit dem Startschuss des Hanse- und Schützefestes fährt auch der „Tornado“ seine Runden. Doch auch andere Schausteller haben ihre Fahrgeschäfte bereits aufgebaut: Ein Riesenrad bietet einen weitläufigen Ausblick über das Gelände und beim Autoscooter kann mal so richtig Gas gegeben werden.

Von Melanie Friedrichs

Das war das Hansefest 2015

Kommentare