Elft- und Zwölftklässler lernen das Leben eines Rollstuhlfahrers kennen

Hindernisse liegen im Kopf

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Im Rollstuhl sitzen und trotzdem Spaß am Sport: Die Schüler der elften und zwölften Klassen des Gymnasiums Beetzendorf lernten das Gefühl kennen, ihre Beine einmal nicht nutzen zu können.

Beetzendorf. Sportunterricht mal anders – kein Sprinten, kein Bodenturnen oder Bockspringen. Denn das können einige Besucher, die den Sportunterricht der elften und zwölften Klassen begleiteten, nicht. Sie sitzen im Rollstuhl.

Als Rollstuhlfahrer ist es wichtig, auch auf zwei Rädern zurecht zu kommen. Für Nora Stapel (im Rollstuhl) gar nicht so einfach.

Genau dieses Gefühl, seine Beine einmal nicht zu benutzen und trotzdem Spaß am Sport zu haben, lernten die Schüler kennen. Unterstützung bekamen sie dabei von Mathias Sinang und Thomas Reimann. Sie sind durch eine Querschnittslähmung auf den Rollstuhl angewiesen. Doch beide sind sie auch Sportler: Sinang wurde im Rennrollstuhl mehrmaliger Sieger des Berliner Halbmarathons, Reimann spielt Rollstuhlbasketball seit der Schulzeit. Ein Basketballspiel im Rollstuhl, das sollten die Schüler gestern einmal selbst ausprobieren. „Nach 15 Minuten ist der Rollstuhl schon vergessen“, weiß Mathias Sinang aus Erfahrung mit anderen Schulklassen, „Es müssen nur erstmal die Hindernisse im Kopf aufgeweicht werden.“ Und Thomas Reimann fügt hinzu: „Der Rollstuhl ist in erster Linie ein Sportgerät.“

An anderer Stelle müssen die Heranwachsenden merken, dass schon kleinste Erhöhungen, schlechte Bodenverhältnisse oder Schrägen für einen Rollstuhlfahrer zur Herausforderung werden. „Leicht nach vorn beugen und dann langsam anfahren“, gibt Volker Möws erste Tipps. Möws ist Sporttherapeut und am BG Klinikum Bergmanns-trost Halle tätig. Obwohl er kein Handycap hat, verbringt er oft Zeit im Rollstuhl. Er zeigt, wie man auf nur zwei Rädern des Rollstuhls steht, wie man eine Schräge, in Schlangenlinien ohne viel bremsen zu müssen, herunterfahren kann.

Hintergrund des Projektes „Bewegung verbindet – Rollstuhlsport macht Schule“ sind die Landessportspiele für Behinderte im September auf dem Beetzendorfer Sportplatz. Denn dort werden die Schüler den Teilnehmern mit Handycap, auch mit geistiger Behinderung, zur Seite stehen. In Hinblick darauf sind einige Schüler jedoch noch ein wenig verunsichert. „Ich hab selten so viel gelacht und Spaß gehabt wie mit diesen Menschen“, versucht Volker Möws sie zu beruhigen. „Freut euch auf das Menschliche“, hieß es weiter.

Von Melanie Friedrichs

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