„Deine Cousine“ hatte im Hansa Udo L. mit im Gepäck

Mit großer Klappe

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Das Bild zeigt es deutlich: Die Frauenwelt war im Hansa wohl doch in der Mehrheit, um die Band „Deine Cousine“ (im Vordergrund) zu erleben. Wer Hamburger Schnauze und direkte deutsche Texte mag, der war aber richtig.

Salzwedel. „Deine Cousine“ machte mit Udo Lindenberg – so dass das Hansa in Salzwedel am Freitag ein wenig zur Hafenpinte wurde.

Mehr als einen Moment fragte sich der Gast, kann es sein, dass „Deine Cousine“ (Inga Bredehorn) den Chaoten aus Hamburg tatsächlich mitgeschleppt hat. 

War er es oder war er nur so gut wie der richtige Udo L.?

Täuschend echt in Wort und Bild, war es nur ein perfektes Double, das da „Ich mach mein Ding“ intonierte, bevor „Deine Cousine“ das Hanseat rockte. Das Haus war passable gefüllt. Das Publikum war sehr unterschiedlich gestrickt und begab sich dann auf die Fahrt durch 17 Songs des „Cousinen“-Reportoires. Dem einen war es zu laut, für den anderen passten die Texte nicht. Kreative Stuhlgang-Prosa, hörte man im Sanitärbereich der Herren. Die waren wohl von ihren Frauen zum Konzert zwangsrekrutiert worden. Gut, es waren nicht Texte, die Goethe oder Schiller Konkurrenz machen würden. Bei Liedern wie dem sanften Titel „Sollbruchstelle“ mit Inga allein am Piano wurde es doch still im Hansa und das Rockschiff bekam emotionalen Tiefgang. Ihre durchaus gesellschaftskritischen deutschen Texte haute sie energiegetränkt und stets mit einem Augenzwinkern den Gästen um die Lauschlöffel.

Inga Bredehorn fühlte sich sichtlich wohl im Hansa.

Es wurde deutlich: Das blonde Gift bekam 2014 nicht umsonst den zweiten Platz beim Panikpreis der Udo Lindenberg Stiftung in Calw und durfte auf dem Rockliner ein Konzert geben, bei dem Augenoptiker Dirk Apel Durchblick zeigte und sie sofort für einen Auftritt in Salzwedel buchte. Bei Songs wie „Heimlicher Freund“ oder „Die Welt ist in Farbe“ wurde deutlich, dass „Deine Cousine“ auch eine hervorragende Songschreiberin ist, die es versteht, radiotaugliche Ohrwürmer zu fabrizieren. Eine Zugabe mit „Champagner im Blut“ war eigentlich zu wenig, aber genug, um danach ein ganzes Jahr lang den grau stumpfen Alltagsärger dieser Welt souverän an sich abperlen zu lassen. Fazit: Durchstarter mit großer charmanter Klappe, „Deine Cousine“ wissen, wie man sich in den Mittelpunkt rückt, ohne das Publikum zu vergessen. Rockmusik mit Hamburger Schnauze!!!

Von Bernd Zahn

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