Bandcontest feiert 25-Jähriges: Herker-Netzwerk sicherte den Anfängern die Hilfe der Stars

Die große „Local Heroes“-Familie

+
Dieter Herker (l.) auf „Heroes“-Promotionstour – hier mit Stefan Raab.

Salzwedel. Noten, Instrumente jedweder Coleur und Rock‘n‘Roll sind die Gewürze des „Local Heroes“. Freundschaften und viele treue Seelen, die für die bunte Mischung des Wettbewerbes stehen und diesem seit 25Jjahren Leben einhauchen. Es heißt ja nicht umsonst: Ihr spielt die Musik!.

25 Jahre „Local Heroes“: Das ist purer Fokus auf junge Musiker

Hier geht's zu Teil 1: „Local Heroes“: „Ihr spielt die Musik!“ – seit 25 Jahren

„Die grundlegendste Errungenschaft von ,Local Heroes‘ ist, überhaupt einen Fokus auf junge Musikerinnen und Musiker zu richten“, so das Fazit von Julia Wartmann. „Ich sage es gern mit den Worten von Tom Bohne: Wenn wir junge Talente nicht fördern würden, könnten die angrenzenden Bereiche der Musikwirtschaft nicht existieren. Dann gäbe es zu wenig Musikerinnen und Musiker.“ Das Projekt begleitet den Nachwuchs abseits der knallharten Musikwirtschaft – und das bereits über 25 Jahre. „Ich finde es wichtig, ein Zeichen für junge Menschen zu setzen, sie auch mal an die Hand zu nehmen, ihnen ein solches Angebot zu geben, und sie zu unterstützen. Denn Musikmachen fördert zum einen verschiedenste Kompetenzen, ist zum anderen mitunter allerdings ein kostspieliges Hobby und Auftritte sind rar gesät.“ „Local Heroes“ bietet den Rahmen sich auszuprobieren, sich für Musik zu begeistern. Wie erfolgreich das laufen kann, das zeigen nicht zuletzt Acts wie Madsen, die Guano Apes oder jüngst Schmutzki, die den Titel einst gewonnen hätten und sich noch heute damit schmücken.

Medien- und Musikmanagerin Wartmann ist beeindruckt, welch großes Netzwerk über die Zeit entstanden ist. Heute gehörten 14 Bundesländer allein zur deutschen „Local Heroes“-Familie. An die 100 Veranstalter, ob professionell oder privat, engagieren sich. „So etwas ist einmalig in Deutschland“, ist sie überzeugt.

Sie wird nicht müde zu betonen, welch ehrenamtliches Engagement hinter den Kulissen abläuft. „Man braucht sich nichts vormachen: Mit Newcomer-Konzerten ist es schwer, genügend Geld zu verdienen, um alle Mitwirkenden angemessen zu bezahlen“, weiß sie aus Erfahrung. Aber: „Man leistet einen immens wichtigen ideellen Beitrag.“ Die Basisarbeit, die bereits kurz nach der Wende junge Musiker zusammengebracht hat und schließlich auch vom Bundespräsidenten honoriert wurde, hält sie für bahnbrechend.

Silly mit Anna Loos und der von ihnen signierten Gitarre für die „Local Heroes.“

Für die „Local Heroes“-Chefin ergeben sich hier ganz klare Parallelen zur Gegenwart und damit auch eine neue Aufgabe. Integrationsarbeit müsse heute nicht nur innerdeutsch, sondern interkulturell geleistet werden. Oft werde sie gefragt: „Wen habt ihr denn schon so hervorgebracht?“ Darauf kann sie nur schmunzelnd reagieren. Man sei ja kein Label. Es gehe auch nicht um große Vermarktung, sondern darum, die Newcomer auf die Bühne zu bringen und ihnen eine Öffentlichkeit zu geben. Massen-Phänomene wie Madsen oder die Guano Apes, die auch aus einem Contest hervorgehen, hält sie heute für selten. Zu sehr habe sich der Markt in den vergangenen Jahren verändert, die Musiker brauchen ein überzeugtes Label und langen Atem. Die Digitalisierung und damit einhergehende größere Reichweite bringe eine viel größere Fläche für Bands mit sich, auf der sie sich präsentieren könnten. Das Gewicht habe sich mittlerweile eher auf Indie-Bands verschoben, die vielleicht nur bedingt von ihrer Kunst leben könnten. Einen tatsächlichen Kultstatus zu erreichen, wäre momentan jedenfalls ungleich schwerer als zu Beginn von „Local Heroes“.

So sehen „Lokale Helden“ nach dem Auftritt aus: 4Lynn Backstage – sie haben im Hansa alles gegeben.

Verändert haben sich jedoch nicht nur die Rahmenbedingungen. Auch in den Köpfen der jungen Leute habe sich viel getan, ergänzt Dieter Herker. „Die Nachwuchsmusiker sind zum Teil anders drauf“, ist er überzeugt. Was einst vor allem als Hobby passiert sei, geschehe nun eher unter dem Gesichtspunkt, sich eventuell auch beruflich in diese Richtung zu orientieren. Dabei gehe es nicht immer direkt um die Musik auf der Bühne mit der aktuellen Band. Sie wüssten auch um das Drumherum: Wie kann man von Kompositionen leben? Welche Möglichkeiten hat ein Studiomusiker oder Produzent? Nicht wenige hätten die Bandbreite schon früh im Auge. Herkers Beobachtung: Aktuelle Newcomer sind teils informierter, ambitionierter und haben – zumindest dahingehend – mehr Biss.

Newcomer heute: Informiert, ambitioniert und mit Biss

Zugute komme ihnen da natürlich auch, dass mittlerweile mehr Produktionsmittel zur Verfügung stünden, die sie auch in den eigenen Händen hielten. Einst bestehende Abhängigkeiten seien abgebaut worden. „Heute gibt es den Typus des Artrepreneurs“, ergänzt Julia Wartmann. Der Künstler selbst rücke ins Zentrum des musikwirtschaftlichen Wertschöpfungsnetzwerks.

Die Helden im Hintergrund – sie stärken den „Local Heroes“ nicht nur den Rücken: Gabriela Schütz und Backstage-Uwe.

Nicht zuletzt diese Veränderungen bringen auch für „Local Heroes“ neue Herausforderungen und Aufgaben mit sich. Seit den Anfangstagen musste sich das Projekt immer wieder selbst kritisch hinterfragen. Das „Lob des Fehlers“, frei nach Reinhard Kahl, habe sich zur Handlungsmaxime entwickelt, so Herker. Denn jeder von ihnen bringe letztlich weiter, als es ein glatter Durchmarsch tun würde. Ecken und Kanten, da ist er sich sicher, machten das Ganze auch aus. Entsprechend viel wurde in 25 Jahren ausprobiert. Sei es in Sachen Jury oder Publikumsbewertung, Organisation und nicht zuletzt Ablauf. Nicht wenige können sich etwa noch an ein Halbfinale im Rahmen der „Popkomm“ in Berlin vor einigen Jahren erinnern. Andere wünschten sich hingegen eine Art „Wanderschau“ des Bundesfinales, die jedoch leider aus Kostengründen nicht umzusetzen ist.

„Unsere Stärke liegt jedoch genau darin. Wir haben nicht das Geld, uns leisten zu können, was wir wollen. Wir sind eigentlich die Profis im Improvisieren“, bringt es Herker auf den Punkt. Darin liegt auch der Charme des Wettbewerbs. Auf der einen Seite gibt es professionelle Strukturen. Auf der anderen Seite den Luxus, nach dem Prinzip „try and error“ zu agieren. Ein Projekt, zu dem jeder sein Quäntchen beitragen kann. „Diese Gestaltung ist durchaus bewusst“, betont der ehemalige „Local Heroes“-Chef gerade mit Blick auf die Landesveranstalter. „Jeder weiß an seinem Ort, was jeweils Sache ist.“

wird fortgesetzt...

Kommentare