Im Sommer finden Legionellen perfekte Bedingungen

Die Gefahr aus den Trinkwasserleitungen

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Gerade im Sommer finden Legionellen perfekte Bedingungen in Wasserleitungen. Vor allem wenn diese über eine längere Zeit nicht genutzt wurden, wie nach einem längeren Urlaub oder in Schulen sowie Kindergärten während den Ferien.

Salzwedel. Die Gefahr lauert in den Rohren. Gerade im Sommer steigt das Risiko einer Legionellen-Infektion, wenn Wasser in den Leitungen stehen bleibt und damit perfekte Brutstätten für die Bakterien bildet.

Denn viele Hausbesitzer drehen in der warmen Jahreszeit die Grundtemperatur des Warmwassers herunter, um Energie und Kosten zu sparen.

Legionellen leben in geringer Konzentration in allen Trinkwasseranlagen und sind in der Regel durch technische Maßnahmen wie Erwärmen beherrschbar. Am häufigsten entwickeln sich die Keime bei einer Wassertemperatur von 20 bis 40 Grad Celsius und können sich über Wochen von Kalk- und Sedimentsablagerungen in Rohren, Dichtungen und Duschköpfen ernähren. „Natürlich ist jede Wasserleitung anders. Die Leitungen können noch so sauber gehalten werden, wenn die Bedingungen stimmen, können sich die Bakterien bilden. Es gibt keine allgemeine Formel gegen Legionellen“, erklärt Christian Paschke vom Gesundheitsamt des Altmarkkreises Salzwedel.

Werden die Leitungen dann geöffnet, können die Legionellen mit den Ablagerungen ausgespült werden. Daher sollte die Wassertemperatur konstant bei mindestens 55 Grad oder mehr gehalten werden, denn in diesem Bereich können sich die Bakterien nicht vermehren. „Ab 60 Grad sterben die Keime ab“, rät der Bauherren-Schutzbund (BSB) in einer Pressemitteilung. Auch bei längerer Abwesenheit, wie nach einem Urlaub oder in Schulen, Kindergärten oder Kitas nach den Sommerferien, erhöht sich das Risiko einer Infektion mit den lebensgefährlichen Keimen. Daher empfiehlt es sich, die Leitungen gründlich mit heißem Wasser durchzuspülen. Auch sollte dabei darauf geachtet werden, dass die Fenster geöffnet sind und der Raum während des Spülgangs geschlossen ist, denn über die Wasserdämpfe gelangen die Legionellen in die Luft und werden so schließlich über die Atemwege aufgenommen.

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die im Wasser leben. Zurzeit kennt man mehr als 48 Arten. Die für Erkrankungen des Menschen bedeutsamste Art ist Legionella pneumophila (Anteil von etwa 70 bis 90 Prozent, je nach Region). Sie ist Erreger der Legionellose oder Legionärskrankheit. Eine Übertragung von Legionellen ist prinzipiell durch Kontakt mit Leitungswasser möglich, wenn die Legionellen in die tiefen Lungenabschnitte gelangen. „An dieser Krankheit, die unter anderem als heftige Lungenentzündung auftritt, erkranken in Deutschland etwa 30 000 Menschen pro Jahr, bei etwa 4500 Erkrankten führt sie sogar zum Tod“, heißt es von Seiten des BSB.

Rechtliche Vorgaben zur Qualität des Leitungswassers gibt die Trinkwasserverordnung. Dabei muss Trinkwasser so aus der Leitung kommen, „dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger“ ausgeschlossen ist. Regelmäßige Prüfpflichten für die Anlagen gibt es aber nur für öffentliche und gewerbliche Gebäude. Aber vor dem Gesetz gilt jedes Mehrparteien-Wohngebäude als gewerbliche Immobilie, sobald auch nur eine Wohneinheit vermietet wird. Dann muss mindestens alle drei Jahre eine Wasserprobe entnommen und untersucht werden. „Wird dabei der technische Maßnahmewert von 100 KBE/100 ml (100 koloniebildende Einheiten pro 100 Milliliter) überschritten, erfolgt eine Meldung an das zuständige Gesundheitsamt. Derzeit gibt es für den gesamten Altmarkkreis aber keine erhöhten Werte“, so Paschke.

Von Katja Lüdemann

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