Von der Isetta bis zum Rolls-Royce

Fünf Liter auf 20 Kilometer: Oldtimertag der Stadtgeister

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Vom Rathausturmplatz bis zur Kreuzung Mittelstraße reihten sich die Oldtimer aneinander. Entsprechend viele Schaulustige fanden den Weg auf die Breite Straße. Drei Stunden standen die Fahrzeuge dort, dann ging es nach Brietz zum Herbstfest.

Salzwedel. Selten stehen Gegensätze so dicht beieinander. Beim Oldtimertag der Stadtgeister an der Breiten Straße und auf dem Rathausturmplatz in Salzwedel parkte die kleine BMW Isetta direkt neben dem wuchtigen Rolls-Royce Silver Shadow.

Uwe König-Gutsche hat sich extra weiße Handschuhe angezogen. Ein Rolls-Royce wird mit Stil gefahren.

Während der Fahrer von vorne in das kleine westdeutsche Gefährt einsteigen muss, protzt der englische Nobelwagen mit Ausstattung – und Verbrauch. „Der Silver Shadow verbraucht fünf Liter“, sagt Fahrzeughalter Uwe König-Gutsche aus dem Perver. „Auf 20 Kilometer.“ Kein Wunder, hat der Rolls-Royce einen Achtzylinder mit 6,8 Liter Hubraum. In den Tank gehen 108 Liter. Aber große Motoren haben auch ihre Vorteile. „Der Rolls-Royce ist nach 200 000 bis 300 000 Kilometern eingefahren“, sagt Uwe König-Gutsche.

Gegen die 210 PS wirkt die Isetta doch recht schmächtig. Ein einziger Zylinder sorgt für zwölf PS. Damit kann Fahrzeughalter Rudolf Hennigs aus Uelzen immerhin bis zu 85 km/h fahren.

Doch zurück zum Rolls-Royce: Der hat Servolenkung, ABS, Niveauausgleich aufgrund des großen Tanks und Zentralverriegelung. Das alles hat es 1971, dem Baujahr des Engländers, schon gegeben. Für Leute mit Geld.

Der finanzielle Aufwand sei etwas höher gegenüber anderen Oldtimern, aber er halte sich dennoch in Grenzen, meint hingegen Uwe König-Gutsche. Zwei andere Nobelkarossen hat er noch. Die Fahrzeuge sind alltagstauglich und fast vollständig original. So echt wie das Holz im Innenraum des Silver Shadow, dessen Steuer sich auf der linken Seite befindet. Wer mit etwas so Edlem fährt, der zieht freiwillig die Handschuhe an.

Von Jens Heymann

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