Ex-Politiker Jürgen Stadelmann hat in Magdeburg beruflich und privat Wurzeln geschlagen

Er fühlt sich in der „Anstalt“ wohl

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In seinem Vorzimmer begegnet Jürgen Stadelmann jeden Tag der (alten) Heimat.

ct Magdeburg / Salzwedel. Breites Lächeln auf entspanntem Gesicht: Er wirkt zufrieden. Jürgen Stadelmann ist angekommen im neuen Job und in der neuen Stadt. Der Begriff „zu Hause“ geht ihm in Magdeburg leicht über die Lippen.

Heimat bleibt für ihn aber die Altmark.

In Salzwedel wuchs der heutige Geschäftsführer der Landesanstalt für Altlastenfreistellung Sachsen-Anhalts auf. Hier verbrachte der studierte Wasserwirtschaftler den Großteil seines Berufslebens. Hier lebt ein Teil seiner Familie (drei Brüder und die Mutter). Hierhin fühlt er sich noch immer verbunden, auch wenn sich die Besuche inzwischen weitgehend auf die üblichen Familientreffen und Arzttermine beschränken. Hier begann für ihn auch eine wechselvolle Karriere in der Landespolitik.

Bei den Wahlen 2002 und 2006 holte er für die CDU das Landtags-Direktmandat. Im Oktober 2009 wechselte er als Staatssekretär ins Landwirtschafts- und Umweltministerium. Den Posten musste er im Mai 2011 schon wieder räumen. Der Grund dafür, Vorwürfe des Geheimnisverrats, stellte sich später als nicht stichhaltig heraus. Im Dezember 2011 zog er als Nachrücker für den frisch gewählten Osterburger Bürgermeister Nico Schulz wieder ins Parlament ein. Mit der Übernahme des neuen Amtes zum 1. Februar 2015 gab er das Abgeordnetenmandat endgültig ab.

„Für mich stand immer fest, dass ich Politik nicht bis zur Rente machen will“, sagt Stadelmann. Und: „Politik ist ein familienunfreundliches Geschäft.“ Die (neue) Familie ist sein Ein und Alles. Mit ihr hat sich sein Lebensmittelpunkt von Salzwedel nach Magdeburg verlagert. Angesichts dessen einen 100 Kilometer entfernten Wahlkreis zu betreuen, wollte er sich und den Bürgern nicht zumuten. Heute kann er seine private Zeit voll Ehefrau Liane, der Tochter (3) und dem Sohn (1) widmen. An freie Wochenenden habe er sich erst gewöhnen müssen, schmunzelt der Familienvater. Als Politiker war er auch samstags und sonntags unterwegs.

In seiner neuen beruflichen Aufgabe geht er offensichtlich voll auf. Hauptaufgabe der „Anstalt“ ist es, Investoren zu unterstützen, indem sie diese für die Kosten der Sanierung aus DDR-Zeiten verseuchter Böden auf Industriegrundstücken freistellt. Etwa 50 bis 60 Millionen Euro gibt die Behörde jährlich für entsprechende Projekte, hauptsächlich im Süden des Landes, aus. Ursprünglich sollte es die Landesanstalt nur 15 Jahre lang geben. Der DDR-Dreck ist aber noch längst nicht überall entsorgt. Für den Geschäftsführer ein sicherer Posten bis zur Rente? Stadelmann lächelt entspannt: „Ein Ende ist zumindest nicht abzusehen.“

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