Gericht nicht von Schuld überzeugt / Überwachungsvideos gezeigt

Schmierereien-Prozess: Freispruch für den Angeklagten

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Der 23-Jährige aus Wallstawe ist am Freitag nach drei Verhandlungstagen freigesprochen worden.

Salzwedel. Überraschendes Ende im Salzwedeler Schmierereienprozess: Das Schöffengericht sprach den 23-jährigen Angeklagten aus Wallstawe am Freitag frei.

„Dies ist keine Ehrenerklärung an den Angeklagten, sondern ein Freispruch zweiter Klasse“, erläuterte der vorsitzende Richter, Dr. Klaus Hüttermann, das Urteil. „Das Gericht ist nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt, aber auch nicht von dessen Schuld.“

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Damit folgten die Richter dem Antrag der Verteidigung und wiesen die geforderte Strafe der Staatsanwaltschaft – ein Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre Bewährung plus 2000 Euro Geldstrafe – zurück. Die Anklage habe am Ende nicht beweisen können, dass der 23-Jährige an den rechten Schmierereien vom 2. / 3. Oktober 2013 in der Salzwedeler Innenstadt beteiligt gewesen war.

Richter Hüttermann begründete das Urteil ausführlich. „Ein Freispruch erfordert viel mehr Mut als eine Verurteilung“, sagte er. Von allen vorgetragenen Indizien gegen den Angeklagten hätten letztlich nur das am Tatort gesehene Auto sowie die sichergestellten Handynachrichten Gewicht gehabt. Für eine Verurteilung hätten diese aber dennoch nicht gereicht. Auch die vermutete Falschaussage des Vaters, der seinem angeklagten Sohn für die Tatzeit ein Alibi verschaffte, blieb ohne Einfluss. Gleichwohl rügte Richter Hüttermann einige Zeugen und auch die Polizei aufgrund von Ermittlungspannen. So hätte eine Zeugin nach Meinung des Juristen den Angeklagten sehr wohl identifizieren können, wenn sie sich denn getraut hätte.

Vor der Urteilsbegründung waren Videos und Bilder von Überwachungskameras gezeigt worden. Ein Film von der Mittelstraße zeigte zwei Täter, wie sie eine Wand besprühen. Die vier Sprayer hatten sich demnach in zwei Gruppen aufgeteilt. Verwertbar waren die Aufnahmen jedoch nicht.

Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig. Die Frist für eine Revision bzw. Berufung läuft am Freitag ab.

Von Jens Heymann

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