Immer mehr Schüler aus verschiedenen Nationalitäten lernen gemeinsam

Flüchtlinge: „Kinder haben weniger Vorurteile“

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Schulleiterin Heike Hermann (r.) mit Flüchtlingskindern, Lehrern und Ehrenamtliche, die die Deutsche Sprache Stück für Stück vermitteln. Dies ist die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration.

Salzwedel. Respekt, Verständnis und eine Portion Neugierde: Das sind Zutaten, die das Lernen in der Ganztags-Gemeinschaftsschule Lessing erleichtern. Die Bildungsstätte steht wie viele andere Einrichtungen vor Herausforderungen, die die Flüchtlingswelle mit sich bringt.

„An erster Stelle steht natürlich, dass die Kinder die deutsche Sprache lernen. Grundsätzlich kann ich sagen, es läuft gut. Größere Probleme haben wir nicht“, schätzte Schulleiterin Heike Herrmann im AZ-Gespräch ein.

30 Asylbewerber werden derzeit unterrichtet. Deutsch lernen sie intensiv in vier verschiedenen Gruppen, die ihrem jeweiligen Leistungsstand entsprechen.

„Ohne Ehrenamtliche wäre dies nicht möglich“, unterstrich Vize-Schulleiter Thomas Schlicke. Ehemalige Lehrer kommen regelmäßig und lehren Grundlagen. Danach nehmen die Kinder am normalen Unterricht teil.

Künstlerisch begabte Helfer bringen Kreativität ins Spiel. Die Kinder lernen unter anderem beim Basteln viel dazu. Hinzu kommt, dass die Bildungsstätte bei 103 Prozent liegt, was die Besetzung der Lehrerstellen angeht. Diese Kapazitäten ermöglichen zusätzlichen Sprachunterricht. „Allerdings nur, wenn alles optimal läuft und niemand krank ist“, schränkte Thomas Schlicke.

Sollten noch mehr Schüler kommen, wird es zunehmend schwieriger. Denn die Gruppen dürfen auch nicht zu groß sein. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Comenius-Schule.

„Wir haben festgestellt, dass die Schüler, wenn sie zu uns kommen, sich zunächst über den Unterricht wundern. Denn sie sind oftmals autoritärere Lehrer gewohnt“, weiß Heike Hermann aus Erfahrung. Konflikte durch kulturelle Unterschiede bereiten bislang keine Bauchschmerzen. „In Sachen Pünktlichkeit, läuft es manchmal nicht sofort optimal. Aber wir sind da zunächst etwas nachsichtiger und helfen den Schülern, sich an den Unterrichtsbeginn zu gewönnen“, erklärte Heike Hermann.

Um auch nach außen zu zeigen, dass die Lessing-Schule weltoffen ist soll die Fassade mit Graffiti gestaltet. Die Idee: Ein Spruch von Lessing sowie die Flaggen der Länder, aus denen die Kinder stammen und ein Hinweis auf die Europäische Union.

Im Schulalltag zeige sich zudem, dass sich der deutsche und ausländische Nachwuchs über eine gewisse Neugierde ungezwungen kennenlernt. „Kinder haben weniger Vorurteile“, ist Heike Hermann überzeugt.

Hilfreich wirkt auch der Sportunterricht. Passende Kleidung wurde für die Flüchtlinge besorgt, damit sie alle gemeinsam in Bewegung bleiben können.

Von Christian Ziems

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