Naturschützer schlagen in Salzwedel Alarm

Naturparadies in Gefahr: Fledermäuse im Abflug

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Eine Fledermaus: Die Tiere fühlten sich im Salzwedeler Forst bislang wohl, nun machen sich Naturschützer Sorgen. Symbolfoto: dpa

Salzwedel. Der Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt, der die kleinen Flugkünstler seit 20 Jahren in den Salzwedeler Waldgebieten Cheiner Moor und Bürgerholz beobachtet, ist besorgt.

„Der komplexe Bruch- und Moorwald mit zahlreichen Baumhöhlen ist durch intensive forstliche Nutzungen im Wandel begriffen“, heißt es in einer Mitteilung. In durchforsteten Gebieten gebe es keinen Kronenschluss mehr. Dies wiederum vertreibe Fledermäuse. Sichtbar sei dies vor allem bei der Mopsfledermaus und dem Grauen Langohr. Nachdem durchgeforstet wurde, waren diese Arten verschwunden. Die Experten erklären dies mit einem veränderten „akustischen Bild“. Vorhandene Fledermauskästen werden erst nach Jahren wieder angenommen. „Der Stadtforst Salzwedel ist ein wertvolles, komplexes Feucht-Wald-Ökosystem, welches durch radikale Umwelteinflüsse stark beeinträchtigt wird“, schätzen die Naturschützer ein. Sie glauben, dass die Verkaufsabsichten der Stadt Salzwedel die Gefahren noch erhöht.

Mit Hilfe von markierten Rauhautfledermäusen konnte nachgewiesen werden, dass Tiere aus dem Cheiner Moor bis nach Quintes in Frankreich geflogen sind (662 Kilometer). Durch die Salzwedeler Exemplare gelinge es, Vorkommen in anderen Regionen zu erhalten. Von 1996 bis 2015 konnten in den beiden Waldgebieten exakt 10 688 Fledermäuse in 14 Arten beobachtet werden. Baumhöhlen, Jagdkanzeln und Kästen sind ihre Rückzugsorte. Die Große Bartfledermaus wurde in den vergangenen Jahren besonders häufig gesichtet, gefolgt von der Rauhautfledermaus und dem Großen Abendsegler.

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