Viele Mitarbeiter hatten zuvor gekündigt

Fangmann Automation schließt: Das Ende im September

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Fangmann Automation kurz vor der Schließung, Fangmann Industrie seit Monaten in Kurzarbeit – die große Salzwedeler Firmengruppe am Brietzer Weg macht derzeit schwierige Zeiten durch. Doch die Probleme scheinen zum Teil hausgemacht.

Salzwedel. Zum 30. September verliert Salzwedel eine renommierte Firma.

Fangmann Automation, lange Jahre unter dem Namen Elektrotechnik Salzwedel (ETS, von 1992 bis 2008) bekannt und Teil der übergeordneten Fangmann Group, wird geschlossen, das operative Geschäft bereits zum Monatsende eingestellt. „Die wirtschaftliche Situation in den vergangenen Jahren hat dem Unternehmen Verluste gebracht, die jetzt nicht mehr aufgefangen werden können“, heißt es als Begründung in den Kündigungsschreiben an die Mitarbeiter.

Das Ende von Fangmann Automation ist aber offenbar auch ein Beispiel dafür, wie eine eigentlich gesunde Firma am zerrütteten Verhältnis zwischen Angestellten und Geschäftsführung zu Grunde gehen kann. Denn, so behaupten firmeninterne Quellen: Aufträge hätte es genügend gegeben, nach vielen Kündigungen durch unzufriedene Mitarbeiter jedoch kaum noch jemanden, um diese abzuarbeiten.

Der Konflikt am Brietzer Weg hatte sich in den vergangenen zehn Jahren – seit der Übergabe der Fangmann-Group-Leitung von Helmut Fangmann an seine Söhne Frank und Meik – langsam aufgebaut, ab 2012 dann rasch an Dynamik gewonnen. In jenem Jahr machte die Belegschaft ihrer Unzufriedenheit über die Lohnentwicklung Luft und holte die IG Metall ins Boot. Doch auch die Gewerkschaftler waren nicht in der Lage, eine Lösung zu erzielen.

Der Spieß wurde 2014 umgedreht. Wegen schlechter Auftragslage forderte die Fangmann-Geschäftsführung die Mitarbeiter schriftlich auf, auf rund zwölf Prozent ihres Einkommens zu verzichten. Etwas, was nach AZ-Recherche niemand akzeptierte. „Das war für mich das i-Tüpfelchen. Den Lohnverzicht wollte ich nicht mittragen“, rekapituliert Rüdiger Reichardt, bis dato Chef der Automation GmbH, die damaligen Differenzen mit seinen Vorgesetzten bei der Fangmann Group. Reichardt zog die Reißleine, kündigte und machte sich daran, eine neue Firma „ohne Zwänge einer übergeordneten Hierarchie“ zu gründen. Er reaktivierte den alten Namen ETS und zog in ein Gebäude an der Tuchmacherstraße ein. Ihm folgten weitere Ex-Automation-Mitarbeiter, die zum 1. Februar bei ihrem bisherigen Arbeitgeber gekündigt hatten.

Bei Fangmann Automation klaffte daraufhin ein großes personelles Loch. Die besten Kräfte waren weg, die Aufträge konnten nicht mehr wie gewohnt bearbeitet werden. Die AZ fragte nach, ob die Firmenleitung die Umstände, die zur Gründung einer Konkurrenzfirma aus ausschließlich ehemals eigenen Mitarbeitern führte, unterschätzt habe. „Zu den Gründen erteilen wir keine Auskünfte“, äußerte sich Automation-Geschäftsführer Torsten Elmendorff äußerst knapp. Ende Mai fiel die Entscheidung zum Schließen der Firma, Ende Juni erhielten alle verbliebenen Angestellten ihre Kündigung.

Von Jens Heymann

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