Salzwedeler Ordnungsamt misst jede Woche / Viel Warterei und manchmal auch böse Worte

Erst zu schnell, dann geblitzt

+
Auf einem Monitor sieht der Techniker, wie der Infrarot-Geschwindigkeitsmesser arbeitet. Das weiße Quadrat umreißt das Messfeld, links oben das Blitzerprotokoll mit den jüngsten Verstößen. Auf der rechten Seite befinden sich technische Angaben. Der polnische Transporter auf dem Foto fuhr 52 km/h – also korrekt. Das Gerät ist so eingestellt, dass es erst ab 63 km/h (innerorts) auslöst. Fotos: J. Heymann

Salzwedel / Hoyersburg. Es gibt Jobs, für die eine gesunde Härte nötig ist. René Wernstedt vom Salzwedeler Ordnungsamt hat so einen. Er blitzt Kraftfahrer.

An und für sich ist das keine aufregende Sache, sondern mit ständigem Nachjustieren und viel Warterei verbunden. Hektisch kann es nur werden, wenn ein frisch ertappter Raser anhält und den Stadtmitarbeiter zur Rede stellen will.

„Wer erwischt wurde, sucht den Fehler natürlich nicht bei sich, sondern bei mir“, sagt René Wernstedt. Handgreiflich sei zwar noch keiner geworden, aber verbal habe er so einiges einstecken müssen.

Ein bis zweimal ist er pro Woche unterwegs. Wernstedt blitzt auch für den Landkreis. Er darf aber nur innerorts aktiv werden, alles andere ist Polizeisache. Vier, manchmal auch fünf Stunden verbringt Wernstedt irgendwo in einem der Salzwedeler Ortsteile oder in der Kernstadt.

Mehrere hundert Fahrzeuge fahren René Wernstedt durchschnittlich vor die Kamera – an einer Bundesstraße mehr als an einer Landstraße. Tag oder Nacht spielt für das Messgerät keine Rolle, Nebel hingegen schon.

Nicht jeder, der zu schnell fährt, wird auch geblitzt. Obwohl das Gerät zum Besten gehört, was auf dem Markt ist. Autos, die sehr schnell fahren, rutschen ebenso durch wie diejenigen, die dicht auffahren. Auch ausländische Fahrer müssen sich nicht sorgen – mit Ausnahme von Österreich und den Niederlanden gibt es keine rechtliche Handhabe. Messen und danach anhalten – das darf nur die Polizei. Auch Motorradfahrer rutschen so durch die Kontrollen.

Wer geblitzt wird, bekommt Post vom Ordnungsamt. Größere Verstöße werden an die Zentrale Bußgeldstelle Magdeburg gemeldet. Oder sie landen vor Gericht, wenn es zum Streit kommt.

Vor dem Erwischtwerden beim Zuschnellfahren ist übrigens niemand gefeit, auch Salzwedels Ordnungsamtsmitarbeiter René Wernstedt nicht. „Klar bin ich schon geblitzt worden“, gibt er zu. Einmal nicht aufgepasst, und schon sei es passiert.

Von Jens Heymann

Kommentare