Am 16. Januar 1973 versucht der damals 26-Jährige in den Westen zu fliehen

Ort des Erinnerns: Gedenken an Hans-Friedrich Franck

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Werner Steinke, CDU Ortsverband Wustrow (v.l.), Andreas Vogel und Peter Fernitz, CDU-Stadtverband Salzwedel, erinnerten an der Gedenkstätte bei Blütlingen an Hans-Friedrich Franck, der dort am 16. Januar 1973 die Grenze überqueren wollte.

Blütlingen. Es ist spät in der Nacht. Im Schutz der Dunkelheit und im Nebel schleicht der 26-jährige Meißner Hans-Friedrich Franck am 16. Januar 1973 auf die Grenze zu und übersteigt um 23.

17 Uhr den vordersten Grenzzaun in der Nähe der Ortschaft Blütlingen im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Beim Überklettern des dritten Metallgitterzaunes berührt der junge Mann den Draht eines Trichtersprengsatzes der Selbstschussanlage. Und löst damit die Splittermine vom Typ SM-70 aus. Hans-Friedrich Franck wird mehrmals getroffen. Mehrere Splitterstücke dringen in seinen Körper ein. Schwerverletzt gelingt es dem Maschinenbauingenieur trotzdem noch, über den 3,20 Meter hohen Metallgitterzaun zu klettern und sich auf bundesdeutsches Gebiet zu schleppen. Dort finden ihn Zollbeamte, die die Detonationen gehört hatten.

Hans Franck wird direkt in das Dannenberger Krankenhaus gebracht, wo ein Ärzteteam vier Stunden lang um sein Leben kämpft. Beamte vom Bundesgrenzschutz und vom Zollgrenzdienst spenden für den Schwerverletzten Blut. Allerdings sind seine Verletzungen so schwer, dass Franck am 17. Januar gegen 7 Uhr im Krankenhaus stirbt. Splitter haben seine linke Beinschlagader durchtrennt. Er ist das erste Opfer der Selbstschussanlage und findet seine letzte Ruhestätte in Dannenberg.

Bereits drei Tage später errichtet der CDU-Ortsverband Wustrow ein Gedenkkreuz für Franck. Und seit der Grenzöffnung 1989 wird zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober an den DDR-Bürger der in den Westen wollte, erinnert.

„Es war ein unsägliche Grenze, die tausende Opfer gefordert hat. Ihnen allen wollen wir heute gedenken“, so Werner Steinke, Vorsitzender des CDU Ortsverbandes Wustrow. Gemeinsam mit dem CDU Stadtverband um Peter Fernitz kamen ehemalige Ost- und Westbewohner zum Gedenken an die Verstorbenen zusammen.

Andreas Vogel erinnerte in einer Rede an die Anschläge von Nizza und nahm Bezug auf die Einheitsfeier in Dresden, die im Vorfeld mit Attacken zu kämpfen hatte. „Aber wir lassen uns diese Feier nicht vermiesen. Im Laufe der Geschichte hat sich immer wieder gezeigt, dass Systeme, die Menschen mit Zwang halten wollen, zum Scheitern verurteilt sind. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Welt uns für unsere friedliche Revolution bewundert.“ Und auch die Opfer werden nicht vergessen werden. So wie Hans-Friedrich Franck, der von seiner Heimat in seine Heimat wollte und dabei sein Leben lassen musste.

Von Katja Lüdemann

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