Von Woche zu Woche

Endlich hat sich mal jemand getraut

Endlich hat sich jemand getraut, einem der größten Schweinezüchter Europas das Handwerk zu legen. Komisch – kaum hatte der Landkreis Jerichower Land das Tierhaltungsverbot gegen Adrianus Straathof erlassen, melden sich sofort die Politiker zu Wort.

Unser Ministerpräsident stößt plötzlich eine Debatte über die Massentierhaltung an, will Exzesse bekämpfen. „Wir haben Gesetze“, sagt Reiner Haseloff. Ach, auf einmal?

Es ist doch seit Jahren bekannt, dass der niederländische Schweinezüchter immer wieder wegen Verstößen gegen den Tierschutz und das Baurecht auffällt. Nachdem sich das Jerichower Land getraut hat, Nägel mit Köpfen zu machen, springen plötzlich alle auf diesen Zug auf.

Warum hat der Altmarkkreis Salzwedel nicht früher reagiert? Seit 2010 verhängt er immer mal wieder Zwangs- und Bußgelder wegen der fragwürdigen Schweinehaltung und baurechtlicher Verfehlungen auf Straathofs Anlage im Arendseer Ortsteil Binde. Straathof bezahlt meist brav – mal eben 500 000 Euro tun ihm nicht weh. Die Behörde hat etwas getan und gut. Straathof macht weiter, das Übel ist nicht an der Wurzel gepackt. Im Landkreis Jerichower Land sitzen offenbar nicht so bürokratische Bürokraten. Sie legen sich tatsächlich mit dem Großunternehmer an, der wahrscheinlich viele und gute Anwälte hat. Im Altmarkkreis hat man sich das nicht getraut. Der Landkreis Stendal kann sich zurück lehnen, problematisch ist nur die Schweineanlage in Binde. Und die liegt im Altmarkkreis Salzwedel. In Wasmerslage bei Osterburg soll nach Angaben der Veterinäre und Juristen im Stendaler Landratsamt alles in Ordnung sein.

Die altmärkische Grünen-Abgeordnete Dorothea Frederking wertet die Bestätigung des Haltungsverbotes durch das Magdeburger Verwaltungsgericht als „Befreiungsschlag für die gequälten Schweine“ in Straathofs Anlagen. Da hat sie sicher recht. Die ganze Geschichte hat aber auch noch eine andere Facette. Straathof hat die Landwirte allgemein in Verruf gebracht.

Bleibt zu hoffen, dass die Menschen in den Anlagen ihre Jobs behalten, dass die Schweine unter vernünftigen und tierschutz-konformen Bedingungen gehalten werden und letztlich wir als Verbraucher wieder mit Genuss das Schweinefleisch auf dem Teller verzehren können.

Die Verwaltungsangestellten im Landkreis Jerichower Land können sich auf die Schulter klopfen. Das Beispiel zeigt, was bewegt werden kann, wenn Bürokraten nicht nur auf Paragrafen herumreiten um zu sagen: „Wir haben doch etwas getan“, sondern wenn sie den Mut haben, sich auch mal aus dem Fenster zu lehnen. Hoffen wir, dass dieser Virus ansteckend ist!

Von Ulrike Meineke

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