Forensiker und Medien-Star: Mark Benecke referiert im Kulturhaus

Duscherotik mit Krawatte

+
Dr. Mark Benecke inmitten seiner Fans. Der Forensiker, Buchautor und Medien-Star referierte am Sonntag im ausverkauften Kulturhaus vor rund 550 Besucher über skurrile Mordfälle und deren Aufklärung.

Salzwedel. Was für eine Frage: Natürlich hatte er seine Schaben mitgebracht. Der Forensiker, Buchautor und Medien-Star Dr. Mark Benecke referierte im Salzwedeler Kulturhaus.

Vor knapp 550 Zuhörern, die meisten von ihnen sind seit Jahren Fans, gab sich Benecke zunächst als Ossi-Versteher zu erkennen.

Kein Wunder, denn seine Frau Ines stammt aus Thüringen. Schon für die Aussage, dass er den Kessel Buntes kenne, die Zeit in ostdeutsch ansagen kann und Plaste statt Plastik sagt, brachte dem Mann Applaus, der nicht nur Maden und Küchenschaben über alles liebt. 

Um „Fälle am Rande des Möglichen“ oder eben um den besagten „Kessel Buntes“ ging es im Kulti, wo Dr. Mark Benecke in Sachen Spannung langsam die Regler hochfahren ließ. Schon vor der Pause ging es ans Eingemachte: Busen-Mord mit Doppel-D-Brüsten und Duscherotik am Strang oder mit Krawatte. Das Skurrile reizt den Meister ganz besonders.

„Man glaubt immer, man kennt seine Umgebung, doch jeden Tag ändert sich alles“, so Benecke, der nebenbei auch Präsident der transsylvanischen Dracula-Gesellschaft ist.

Hautnah: Petra Wozna machte den Schabentest.

Doch weiter zur Forensik, wo Glauben und Hoffen im kriminalistischen Alltag nicht weiter helfen. Selbst Schnellsprech-Maschine und Multitalent Benecke musste am Silvesternacht-Tatort seiner Heimatstadt Köln kapitulieren: Angesichts der vielen Vergewaltigungen ging man mit der Spurensicherung mehr als schlampig um. Es gab kein Gebüsch, keine Verstecke und keine zerrissenen Kondome, also konnten auch keine DNA-Reste gefunden werden.

Lebensnah, vernünftig oder logisch – mit diesen Kriterien lassen sich heute nur wenige Straftaten aufklären. Vorschnelle Schlussfolgerungen nach einer Gewalttat gelten daher in Beneckes Fachkreisen als „postmortales Klugscheißern“. „Wir selber machen uns die Umwelt praktisch, quadratisch und gemütlich, doch das ist sie nicht“, betonte der bekennende Donald-Duck-Fan und Experte mit rund 20-jähriger Berufserfahrung als Kriminalbiologe.

Plötzlich war Mark Benecke in seinem Element. „Meine Ex wollte mich mit ihrem Busen töten“, titelte die Revolver-Presse. Mit dem Probanden Knut T. wagte Benecke unter Hilfe von Kölner Prostituierten den Praxis-Test als Experiment. Fazit: Mord beim Liebesspiel mit großer Oberweite ist möglich. Das Opfer kann ersticken und ein böser Vorsatz der auf ihm sitzenden Dame ist nicht leicht nachzuweisen. „Körpereinsatz mit gefährlichen Waffen“ kann man das auch nennen.

Weiter ging es mit Erotik. Dieses Mal mit autoerotischen Handlungen zur Atem-Reduktion, wo Strangulationen zwar auf den ersten Blick wie Selbstmord erscheinen, dann aber für Forensiker auf den zweiten Blick die Hintergründe erkennen lassen. Das gilt für das Experimentieren mit Krawatten oder Stricken unter der Dusche genau so wie für sexuelle Erstickungen mit einem Wischmopp. Da hilft die Aussage der Ehefrau des Toten wenig weiter: „Mein Mann macht so was nicht.“

Dasselbe gilt für einen Fall aus Texas, wo ein Professor von seiner Freundin mit Hackenschuhen erstochen wurde. Fazit hier: Der Mann war sich der Gefahr bewusst, aber es war ihm relativ egal, dass jemand auf ihm mit Highheels herum läuft, wenn er dabei nur genügend Spaß hat. Genau so, wie die jungen US-Soldaten, die regelmäßig tot unter Cola-Automaten gefunden wurden ... Dr. Mark Benecke glaubt schon lange an keine Zufälle mehr.

Von Kai Zuber

Kommentare