Von Woche zu Woche

Zu dumm, dass die Akten weg sind ...

Die Stendaler Kreissparkasse kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Verständlich, dass der Verwaltungsrat nicht müde wird zu betonen, dass das Kreditinstitut „auf einem stabilen und sicheren Fundament“ stehe und bei den Kunden, besonders den mittelständischen Unternehmen, weiterhin großes Vertrauen genieße.

In dieser Woche versprach Landrat Carsten Wulfänger in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrates weiterhin „Sicherheit, Kontinuität und Beratung sowie ein solides Geschäft mit Privatkunden und Mittelständlern“ durch die Kreissparkasse Stendal.

Das muss er tun, um das Gesicht zu wahren. Alles andere würde nach außen ein seltsames Bild abgeben. Natürlich muss er auch versprechen, dass alle Skandale der vergangenen Jahre aufgearbeitet werden. Und dass in dieser Woche Strafanzeige erstattet wurde, weil man die Aktenschredderei bei der Magdeburger Staatsanwaltschaft nicht auf sich beruhen lassen will, ist auch nur ein logischer Schritt.

Es bleibt aber ein ganz fader Beigeschmack. Zu spärlich waren die Informationen damals, als die mutmaßlichen Verfehlungen des dann fristlos gekündigten Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Dieter Burmeister nach und nach bekannt wurden. Durch Kompetenzüberschreitungen und Scheinrechnungen bei Bauvergaben soll der Bank ein Millionenschaden entstanden sein. Und auch der Fuhrpark und häufige Dienstwagen-Wechsel Burmeisters will irgendwie niemandem aufgefallen sein.

Der Verwaltungsrat zeigte sich entsetzt, wollte von nichts gewusst haben. Das wird und muss er wohl auch in anderen brisanten Sachen irgendwann nach außen so kommunizieren. Denn es hat sicherlich einen Grund, dass nun alle Kreditvergaben von 2004 bis 2014 an Mitglieder des Verwaltungsrates oder Vorstandsmitglieder der Sparkasse auf den Prüfstand kommen.

Der Verwaltungsrat handelt immer erst, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, wenn nach und nach an die Öffentlichkeit dringt, was da in den Vorjahren offenbar passiert ist. Das macht keinen guten Eindruck.

Andererseits kann man Carsten Wulfänger nicht vorwerfen, jemanden vorzuverurteilen. Das darf er nicht, das sollte er nicht, das tut er nicht. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Denn wer letztlich wem etwas zugeschustert hat, müssen die Gerichte klären. Solange muss die Unschuldsvermutung als Grundprinzip unserer rechtsstaatlichen Strafverfahren gelten.

Zu dumm nur, dass die Ermittler ohne Originalakten schwer – wenn überhaupt – ermitteln können. Von den 88 Aktenordnern, die die Sparkasse der Magdeburger Staatsanwaltschaft übergeben hatte, sind 33 „aus Versehen“ geschreddert worden – futsch.

Da wirkt die Strafanzeige, die der Verwaltungsrat in dieser Woche auf den Weg gebracht hat, wie Makulatur.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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