Bundeschef Hubert Weiger appelliert an die Salzwedeler Stadtverantwortlichen

BUND-Vorsitzender: „Flächen nicht verscherbeln“

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Der Stadtwald Bürgerholz aus der Vogelperspektive. Ein Verkauf steht zur Debatte, Naturschützer kritisieren die Pläne der Stadt.

Salzwedel. Nach dem Mitarbeiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Alternativen zu einem Verkauf des Salzwedeler Stadtwaldes an private Interessenten vorgestellt haben und sich Grünen-Politiker auf regionaler, Landes- und Bundesebene stark machen, gab einen erneuten Vorstoß des BUND.

Der Bundesvorsitzende wendet sich mit einer Pressemitteilung an die Verantwortlichen. „Der Stadt liegen Angebote für die Flächen sowohl von unserem Verband als auch vom Land Sachsen-Anhalt vor. In der Not auch noch den letzten Euro aus ihren Flächen herauszuquetschen anstatt das künftige Potential des Stadtforstes und des Grünen Bandes für die wirtschaftliche Entwicklung und das Gemeinwohl im Blick zu haben, ist eine überstürzte und falsche Entscheidung“, findet Hubert Weiger deutliche Worte.

Der Verkauf steht in einem Konzept, dass von Bürgermeisterin Sabine Blümel erarbeitet und vom Stadtrat mehrheitlich beschlossen wurde. Ziel ist es, die klamme Kommune wieder in finanziell ruhige Bahnen zu lenken. Der BUND fordert die Stadt Salzwedel auf, im Zuge ihrer Haushaltkonsolidierung auf das einzigartige, historische Naturerbe Grünes Band Rücksicht zu nehmen und „die Flächen nicht auf dem Grundstücksmarkt zu verscherbeln“. Die Pläne treten die erst unlängst in der Koalitionsvereinbarung der neuen sachsen-anhaltischen Landesregierung für den Schutz des Grünen Bandes gesetzten Ziele mit Füßen, wird in der Pressemitteilung formuliert.

Auf dem Naturlehrpfad bietet die BUND-Ortsgruppe regelmäßig Führungen an.

„Elf Kilometer könnten jetzt in Privatbesitz übergehen und damit als Lebensraum und Wanderkorridor für die dort vorkommenden, gefährdeten Tierarten wie Fischotter, Vogelazurjungfer und Braunkehlchen sowie für Pflanzenarten wie Wasserfeder, Salzschwaden und Stranddreizack verloren gehen“, unterstrich der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Nach dem Grenzfall habe der BUND über Jahrzehnte hartnäckig dafür geworben, dass die Flächen am Grünen Band als Bundeseigentum nicht auf dem Grundstücksmarkt angeboten werden. Es sei durch die gute Zusammenarbeit verbandlicher und behördlicher Entscheidungsträger gelungen, knapp die Hälfte des Grünen Bandes als „nationales Naturerbe“ zu sichern. „Wir haben geglaubt, dass die Zeiten, in der Grüne-Band-Flächen aus dem Eigentum der öffentlichen Hand an Privatbesitzer verkauft werden, längst der Vergangenheit angehören“, sagte der BUND-Vorsitzende.

Besondere Brisanz habe ein solcher Verkauf aus Sicht der Naturschützer auch deshalb, weil neben den Flächen im eigentlichen Grünen Band auch zwei der größten Naturschutz-Perlen gefährdet seien. 1400 Hektar einmaliger Waldwildnis drohe das Aus, wenn das „Bürgerholz“ und der „Buchhorst“ verkauft würden.

Die Organisation fordert darüber hinaus einen bundesweiten Fond. Mit diesem Geld könnten, wie im Salzwedeler Fall, schnell Käufe getätigt werden, bevor private Interessenten am Grünen Band zum Zuge kommen. Der BUND fürchtet eine Kettenreaktion, ausgelöst in der Altmark: „Sollten weitere Kommunen auf die Idee kommen, ihre Haushalte durch Verkäufe zu sanieren, drohe das Rückgrat des einzigen nationalen Biotopverbundsystems in Deutschland zerbrochen zu werden“, heißt es in der Pressemitteilung, die gestern Nachmittag veröffentlicht wurde, abschließend.

Von Christian Ziems

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