Von Woche zu Woche

Bürger beim Empfang unerwünscht

Wieder einmal ist Salzwedel im Reigen der großen altmärkischen Städte und beider Landkreise die unrühmliche Ausnahme. Überall lädt man zum Neujahrsempfang ausdrücklich die Bürger ein – nur in Stadt und Landkreis Salzwedel nicht.

Es ist kein Argument zu sagen: Wir haben die Räumlichkeiten nicht, denn das stimmt nicht. Die Sporthalle der Berufsschule in Salzwedel etwa hat schon einige Empfänge erlebt. Sie wurde von den Steuern der Bürger bezahlt, blieb aber für sie verschlossen, wenn die Oberen darin das neue Jahr begrüßten. In öffentlicher Runde ist bisher noch nicht einmal laut darüber nachgedacht worden, die Bürger einzuladen. Man war mit Politik und Wirtschaft schließlich immer unter sich, um sich zu beweihräuchern, wie toll doch das vergangene Jahr war. Die Presse wird schon transportieren, wie dankbar man den Bürgerinnen und Bürgern ist.

Außer in Stadt und Landkreis Salzwedel lädt man die Bürger zum Neujahrsempfang ein und spart trotzdem: In Klötze zum Beispiel gibt es den Neujahrsempfang im Frühjahr. Er heißt dann „Frühlingsempfang“ und ist stets mit einem anderen Ereignis gekoppelt, 2014 beispielsweise mit der Einweihung des Schulplatzes. Arendsee händelt es ähnlich, dort gibt es im März den „Wirtschafts- und Frühlingsempfang“, der verbunden wird mit der Verleihung des Kunst- und Kulturpreises. Die Seestadt verschickt übrigens auch Einladungen wie Stadt und Landkreis Salzwedel, lädt also die Arendseer auch nicht ausdrücklich ein, wie es etwa Stadt und Landkreis Stendal getan haben. Dort gab es einen gemeinsamen Empfang im Musikforum Katharinenkirche, mit einem schönen Kulturprogramm vom Theater der Altmark. Zwei Empfänge zusammengelegt – das spart. Und: In Stendal waren die Ostaltmärker ausdrücklich eingeladen. Genauso wie in Gardelegen, wo der „Bürgerempfang“ im Schützenhaus für alle offen ist, wie der Name schon sagt. Gut, in Stendal kamen wenige „normale Bürger“. Aber zumindest wurde die Möglichkeit geboten zu hören, was Oberbürgermeister Klaus Schmotz und Landrat Carsten Wulfänger über 2014 und als Ausblick für 2015 zu sagen hatten.

Laut Duden ist ein Neujahrsempfang ein „zum Jahresbeginn gegebener Empfang einer Stadt, eines Staatsoberhaupts o. ä. für Vertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kirche, Kultur o. ä.“. Das schließt zwar die Bürger auch aus, sollten sie nicht unter „o. ä.“ gemeint sein. Aber wer sich bürgernah geben und nach dem Empfang nicht hören will, dass sich ein elitärer Kreis wieder „betrunken und beweihräuchert“ hätte, wie man hinterher oft hört, der sollte umdenken. Wenn die Politiker in Stadt und Landkreis Salzwedel einfach mal über den Tellerrand schauen würden, dann sähen sie, auf welcher Insel sie in Sachen Bürgernähe leben.

Von Ulrike Meineke

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