Nur schlaue Kinder sollen ans Gymnasium

Bildungsausschuss fordert Laufbahnempfehlung für Schüler

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Ob ein Kind das Gymnasium oder eine andere Schulform besucht, entscheiden in Sachsen-Anhalt allein die Eltern. Dadurch soll es keine Diskriminierung bildungsschwacher Elternhäuser geben. Doch die Stimmen mehren sich, dass es mittlerweile viel zu viele Gymnasiasten gebe.

Altmarkkreis. Sollen Grundschulen in Sachsen-Anhalt künftig wieder verbindliche Laufbahnempfehlung für Kinder abgeben? Ja, ginge es nach dem Willen des Kreistagsabgeordneten Frank Rossau (Freie Liste). Seiner Meinung nach gibt es im Land einen „Akademisierungswahn“.

Sprich: Zu viele Kinder besuchen das Gymnasium.

Rossau sprach das Thema am Dienstagabend während des Kreisbildungsausschusses mit Hinblick auf die Landtagswahlen im nächsten Jahr an. Denn eine Entscheidung über Laufbahnempfehlungen fällt in der Landespolitik und nicht vor Ort im Altmarkkreis. Darauf wies Landrat Michael Ziche (CDU) hin: „Wir können es gerne diskutieren, aber es ist eine politische Entscheidung.“

In Sachsen-Anhalt haben die Eltern das Sagen, wenn es darum geht, welchen Bildungsweg ihre Kinder nach der Grundschule besuchen. Eine 2006 eingeführte verbindliche Empfehlung war 2012 mangels Wirksamkeit wieder abgeschafft worden.

Doch zumindest im Altmarkkreis mehren sich die Kritiker. „Das Handwerk bekommt keine Lehrlinge. Wir brauchen auch noch Leute, die arbeiten“, sagte etwa Arendsees Bürgermeister Norman Klebe (CDU) im Ausschuss. Seine Amtskollegin aus Gardelegen sieht das ein wenig anders: „Die Entscheidung der Eltern ist nicht das Problem. Den Kindern fehlt eher der Kontakt zum Handwerk“, meinte Mandy Zepig (SPD). Der Kreisbildungsausschuss unter Leitung von Angelika Scholz (Linke) beschloss, sich während der nächsten Sitzung intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich außerdem mit einem Schreiben an das Land zu wenden.

Von Jens Heymann

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