Prügelattacke: Aussage gegen Aussage / Verteidiger will Rechtsmittel einlegen

Bewährung für Hanseat-Schläger

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Mike T. soll vor dem Salzwedeler „Hanseat“ einen 34-Jährigen geschlagen haben.

Salzwedel. „Ich kann mich noch gut an die aggressive Stimmung erinnern“, erklärt eine Zeugin. Später versucht sie den blutüberströmten, auf dem Boden liegenden 34-Jährigen notdürftig zu verarzten.

Er ist vor dem Salzwedeler „Hanseat“ brutal zusammengeschlagen worden. Am zweiten Verhandlungstag fiel im Salzwedeler Amtsgericht ein vorläufiges Urteil für die beiden Schläger Mike T. und David R. (Namen geändert) aus Salzwedel.

Seit dem ersten Verhandlungstag kursierten vom Tathergang in der Januarnacht 2015 zwei Versionen. Zum einen die Aussage von Mike T., der davon überzeugt ist: „Ich habe nur einmal zugeschlagen und bin dann weggegangen.“ David R. soll dem Opfer anschließend schwerwiegende Verletzungen durch Tritte und Schläge ins Gesicht zugefügt haben. Auch Mike T.s Freundin unterstützt dessen Schilderungen. Dem entgegen stehen die Erlebnisse der Ehefrau des Opfers. „Beide haben ihn attackiert“, erklärte sie bereits in der vergangenen Woche.

Beim gestrigen, zweiten Verhandlungstag sollten nun weitere Zeugen klären, wie sich das Geschehen in der Tatnacht wirklich zugetragen hat. „Es hat den beiden in den Fingern gejuckt“, beschreibt eine 56-jährige Zeugin, die am besagten Abend an der Bar im Hanseat gearbeitet hatte, die Situation, bevor der Streit eskalierte. Sie konnte jedoch ebenso wenig wie die vier weiteren Polizeibeamte mit Sicherheit bestimmen, ob David R. bei der Prügelei den größeren Anteil hatte.

Fest stand, dass die Polizei an David R.s Schuhen Blut fand. Zudem waren die Fingerknöchel gerötet. Das war bei Mike T. nicht der Fall. „Seine Freundin erzählte mir immer wieder die gleiche Geschichte“, erinnerte sich ein 25-Jähriger Polizist an die Vernehmung zurück. „Sie schien mir glaubhaft.“ Zuvor erhielt das Gericht jedoch den Hinweis, dass das Paar sich abgesprochen hatte.

Der Ansicht war Amtsanwältin Andrea Krüger. „Ich glaube, dass die Ehefrau die Wahrheit gesagt hat“, verkündet sie nach Abschluss der Beweisaufnahme. Diese befindet sich auch anderthalb Jahre nach der Tat in psychologischer Behandlung. Sie forderte für die beiden Angeklagten eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten zur drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt sowie 1000 bzw 700 Euro Schmerzensgeld.

Dem widersprach Mike T.s Verteidiger Reiner Wilkens heftig. „Ich glaube nicht, dass der Angeklagte so beteiligt war, wie ihm hier vorgeworfen wird.“ Er bezieht seine Annahme darauf, dass die Ehefrau des Opfers sich nicht schlüssig an alles erinnern konnte. Außerdem bestehe die Frage, ob der Schlag von Mike T. wirklich zu einer Körperverletzung geführt habe. „Wenn nicht, dann darf keine Verurteilung erfolgen“, so der Rechtsanwalt und plädierte auf Freispruch.

Richter Klaus Hüttermann entschied sich in seinem Falle für acht Monate zu zwei Jahren auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1000 Euro. David R. muss indes 600 Euro zaheln, erhielt aber eine Strafe von 10 Monaten zur Bewährung ausgesetzt. Rechtsanwalt Wilkens gab sich mit dem Urteil für seinen Mandanten nicht zufrieden. Er verkündete abschließend, dass er nach dem Urteil Rechtsmittel einlegen werde.

Von Melanie Friedrichs

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