Von Woche zu Woche

Ist der Bahnhofszug abgefahren?

Der eine Ausschuss sagt ja, der andere nein. Der Stadtrat soll es dann richten. Und dort wird sich dann öffentlichkeitswirksam vor laufenden Kameras des Offenen Kanals gestritten. Salzwedeler Stadtratssitzungen haben hohe Einschaltquoten.

Die kann der Hansestädter vom Sofa aus mit Chips und Bier wunderbar verfolgen und hat einen ähnlich hohen Unterhaltungswert wie bei Stefan Raab. Und: Man kennt die Leute auch noch.

Die nächste Zoffrunde hat begonnen. Es geht um den Bahnhof – den einzigen, den Salzwedel noch hat. Wieder einmal sind sich die Stadträte in den Ausschüssen, die die Stadtratssitzung vorbereiten sollen, uneins. Das wurde erst unlängst mit der Jeetze-Brücke (Ersatz für Schaper-Stau) durchexerziert. Der Fachausschuss – also der Bauausschuss – war dafür. Der Hauptausschuss kippte das Vorhaben. Auch wenn es von hunderten Salzwedelern gewollt ist. Hunderten, die in der Hansestadt ihre Steuern bezahlen, damit von diesem Geld etwas für sie getan wird. Pustekuchen.

Nun läufts andersrum. Der Finanzausschuss kippte das Bahnhofsprojekt, will kein Stadtgeld in die Immobilie stecken. Der übergeordnete Hauptausschuss hingegen gibt der Gestaltung eine Chance. Satte Fördermittel sind für das Millionenvorhaben zu bekommen – wenn man es denn will.

Schon einmal war dort Geld in die Hand genommen worden. Der ehemalige Kleinbahnhof (jetzt Avacon) war entkernt worden. In der Hoffnung, dort eine Jugendherberge zu etablieren. Doch das Herbergswerk wollte nicht. Zu nah sind dessen nächste Unterkünfte. Also wurde noch einmal investiert – in den Abriss des Kleinbahnhofs.

Nun geht das Gerangel um das Gebäude gegenüber weiter. Vermutlich wird es verfallen, bis sich Salzwedels Stadträte einig werden. Dann ist das Problem wenigstens gelöst. Wie meistens erst einmal mit einem jahrelangen Schandfleck. Da private Investoren kein Interesse am Bahnhof gezeigt haben, dort nur als Pächter der Stadt reinwollen, ist aber ein verlässliches Wort gefragt.

Entscheidungen sind nicht so das Ding der Salzwedeler Regierung. Doch kein Stadtrat würde auf seinem eigenen Grundstück so lange mit einer Ruine leben. Also: Lasst einen schicken Bahnhof mit Willkommenskultur bauen oder reißt die Hütte ab. Aber tut was!

Von Holger Benecke

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