Aufnahmen mit Beckenbauer, Netzer und Co.

Autogrammjäger der Fußballprofis: Rolf Dörge hat sie alle

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Thomas Müller erwischte der Autogrammjäger, als der heutige Weltstar noch für die 2. Mannschaft der Bayern kickte.

Mellin. Im kleinen Partyraum von Rolf Dörge hängen über 100 Fotos. Allerdings sind das in den seltensten Fällen Familienfotos von sich, seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Von den Wänden blicken Franz Beckenbauer, Günter Netzer, Gerd Müller und Jogi Löw.

Außerdem immer mit dabei: Rolf Dörge. Der 52-Jährige ist Autogrammjäger. Über 3500 Bilder hat er schon mit verschiedenen Fußballstars geknipst. „Ich habe schon Selfies gemacht, da gab es den Begriff noch gar nicht“, lacht er. Viele Fotos sind mit einem Autogramm versehen.

Leidenschaft seit 24 Jahren

An die Wand im Partyraum darf aber nur die Crème de la Crème des Fußballs. Im oberen Stockwerk hat der Melliner zudem 50 rote Ordner. Er fragt nach einem Fußballspieler. „Irgendeiner, ganz egal“, fordert er. Die Wahl der AZ fällt auf Kevin de Bruyne. Er zieht einen Ordner heraus, schaut im Verzeichnis nach und einen kurzen Moment später tippt er auf ein Foto von sich und dem Belgier. „Aus der aktuellen Bundesliga habe ich fast alles“, erklärt er stolz. Den Anfang findet seine Leidenschaft am 30. Mai 1992 in Tangermünde. „Die Traditionsmannschaft des HSV hat gespielt, und ich habe einfach mal meine Kamera mitgenommen“, erinnert sich Rolf Dörge. Als er sieht, wie andere sich mit den Spielern unterhalten, Fotos machen und ein Autogramm bekommen, ist seine Neugier geweckt.

Sein erstes Foto ist Thomas von Heesen. „Das musst du öfter machen, dachte ich.“ „Öfter“ heißt ab dem Jahr 2000 innerhalb der Saison fast jedes Wochenende, meist vor der Volkswagen-Arena des VfL Wolfsburg. Mit dabei ist auch Tochter Stephanie. „Irgendwer musste mich ja damals fotografieren.“ So entstehen auch Freundschaften mit anderen Autogrammjägern. „Wir sind fünf Leute“, sagt Dörge. Man recherchiert, gibt sich gegenseitig Tipps.

Eigentlich müsste die Begegnung mit den Kickern längst reine Routine sein. „Ist es nicht, die Aufregung bleibt“, gesteht er, „Bei Gerd Müller habe ich am ganzen Leib gezittert.“ Denn es gab auch schon regelrechte Alptraum-Momente. So wie am Flughafen Braunschweig. Als die Mannschaft von Manchester United aussteigt, hat er Glück und Trainer Ryan Giggs kommt auf ihn zu. „Ich habe den Auslöser gedrückt, aber es hat nicht funktioniert“, erinnert sich Dörge. Nach mehreren Anläufen gibt er auf. Eine Aufnahme mit Münchens Pep Guardiola muss er zum Fotografen bringen. „Es war völlig verwackelt, und der Fotograf versuchte, das Foto zu retten“, erzählt er.

Am liebsten lässt er sich mit den „Oldies“ ablichten, wie Dörge sie nennt. Die sind ihm richtig sympathisch. „Die Alten freuen sich über dich, mit denen kannst du erzählen, und die trinken ein Bierchen mit dir“, begründet er, „Die junge Fußballer kommen aus dem Bus, haben Ohrstöpsel drin und starren nur auf ihr Handy.“. Im Winter könne er einige unter ihren Mützen auch gar nicht erkennen. Allgemein wird das Sammeln immer schwieriger. Zum Champions-League-Spiel Wolfsburg gegen Real Madrid war alles abgeriegelt. Auch die Bayernspieler hautnah zu erleben, ist kaum noch möglich. „Da fahre ich gar nicht mehr hin, das hat keinen Zweck“, ist der Familienvater zerknirscht.

Mut, Kontakte und Glück

Die Frage, was man als Autogrammjäger braucht, beantwortet er nicht gleich. „Man muss mutig sein und Glück oder Kontakte haben“, sagt er dann. „Oftmals war ich zur rechten Zeit auch einfach am rechten Ort.“ So wie bei der 50-Jahr-Feier des 1. FC Lok Leipzig. Dort wartete er eigentlich nur auf Spieler, die zum Rauchen das Gebäude verlassen. „Dann kam der Präsident höchstpersönlich und meinte, ich dürfte gern mit hineinkommen“, lacht er. Ob er von manchem Ballkünstler überhaupt ein Foto bekommt, hängt auch immer von dessen Laune ab. Und wie sind Deutschlands Fußballer so drauf? „Stefan Kiesling ist sehr nett. Marcel Schmelzer und Julian Draxler sind immer super freundlich“, lobt er. Lukas Podolski kann er weniger leiden. „Er wirkt auf mich sehr arrogant und gibt selten Autogramme.“

Von Melanie Friedrichs

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