Von Woche zu Woche

Arbeit ist die beste Integration

Na das war doch mal eine gute Nachricht in dieser Woche: Der Altmarkkreis bietet Asylsuchenden eine Beschäftigung an, damit diese nicht untätig in den Unterkünften herumsitzen müssen.

Ulrike Meineke

Zwingen kann er die Flüchtlinge nicht, aber immerhin gibt es 1,05 Euro pro Stunde, und wenn man in einem fremden Land ganz von vorn anfängt, kann man jeden Euro gebrauchen. Im Umkehrschluss profitieren unter anderem die Kommunen und Vereine. Zu tun gibt es immer etwas, das die Städte und Dörfer schöner und das Vereinsleben bunter macht. Gemeindearbeiter kann sich kaum noch eine Kommune leisten. Die Vereinsmitglieder investieren hunderte Stunden ihrer Freizeit, damit ihre Gelände in Ordnung sind – und vielleicht auch Flüchtlinge gute Bedingungen vorfinden, um sich zum Beispiel in einem Fußballverein zu integrieren.

Im Altmarkkreis hat die Verwaltung 17 Träger finden können, die gern Asylbewerber beschäftigen möchten. Aber: Momentan gibt es nur 28 Flüchtlinge, die das Angebot angenommen haben. 28 von 879 Asylsuchenden in der Westaltmark. Das sind 3,2 Prozent, die montags bis freitags jeweils drei bis vier Stunden am Tag arbeiten.

Wie viele Ehrenamtliche gibt es, die nach ihrem regulären Acht-Stunden-Arbeitstag für die Asylsuchenden da sind? Wäre es nicht angebracht, der Gesellschaft, dem vielen Guten, das den Flüchtlingen hier wiederfährt, etwas zurückzugeben?

An der Salzwedeler Comenius-Schule zum Beispiel wurde ein Syrer dem Hausmeister zugeteilt. Der Flüchtling hat während seiner Arbeit Deutsch gelernt. Er hat inzwischen Bleiberecht und kann sich einen richtigen Job suchen. Ein anderer Syrer hatte über das 1,05 Euro-Angebot beim Jobcenter gedolmetscht. Auch er hat jetzt einen Aufenthaltstitel – und einen festen Job im Jobcenter. Gut läuft es auch in Lüderitz bei Tangerhütte, wo ein Flüchtling dem Gemeindearbeiter hilft. Der Mann ist froh, etwas zu tun zu haben, er lernt nebenbei Deutsch, seine neue Heimat und die Menschen kennen.

Die Arbeitsagentur hat in dieser Woche gemeldet, dass die Zahl der ausländischen Arbeitslosen in der Altmark im April um 100 im Vergleich zum März auf jetzt 707 gestiegen ist. Warum tun wir uns so schwer, aus dem „freiwillig“ ein „Muss“ zu machen? Es schafft Unmut, wenn die Mehrheit der Asylsuchenden nichts zurückgibt und stattdessen in den Unterkünften ausharrt, während der Großteil der Altmärker arbeiten geht und die Sozialleistungen für die Asylbewerber auch mit seinen Steuern unterstützt.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © dpa

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