Der Zethlinger Johannes Praetorius schrieb Hexengeschichten

Altmärker machte Walpurgisnacht publik

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Die heilige Walburga steht als Denkmal vor der Kirche in Zuphten (Niederlande).

swz Altmark. Der Ursprung der Walpurgisnacht – vom 30. April auf den 1. Mai – hat nichts mit dem Hexenglauben zu tun, sondern wird mit dem altgermanischen Frühlingsfest in Verbindung gebracht.

Danach sollen sich die Götter Wotan und Freya in dieser Nacht vereinigt haben, aus der dann der Frühling entstand.

Die Walpurgisnacht nach Johannes Praetorius.

Es wurde in ein christliches Fest übernommen. Verehrt wurde eine englische Missionarin, die bei den Deutschen Walburga hieß und dem Tag und natürlich auch der Nacht ihren Namen gab. Sie war die Schutzheilige der Bäuerinnen und Mägde. Da diese heidnischen Bräuche sowie die Unwissenheit der Menschen jener Tage oft mit Hexen in Verbindung gebracht wurden, schützte Walburga natürlich auch diese Frauen vor den Hexen und Teufeln. Unsere Vorfahren glaubten noch sehr lange daran, dass in der Walpurgisnacht um Mitternacht die Hexen auf Besenstielen oder Ofengabeln zum Blocksberg ritten. Die der Walpurgisnacht zugeschriebenen Ereignisse fanden vermutlich in Wirklichkeit weder auf dem Brocken noch auf dem Hexentanzplatz bei Thale statt, sondern auf einer heidnischen Kultstätte auf dem Gipfel des Wurmberges. Schriftsteller wie Theodor Sturm oder Johann Wolfgang Goethe haben dieses Fest und seine dazugehörenden Rieten beschrieben.

Übrigens war es ein Altmärker, nämlich der am 22. Oktober 1630 in Zethlingen geborene Johannes Praetorius, der für die Verbreitung der Hexengeschichten um die Walpurgisnacht einschließlich des Rittes zum Brocken mit verantwortlich zeichnet. In seinem Buch „Bloks Bergs Verrichtung“, das 1668 in Leipzig erschien, berichtet er über die Walpurgisnacht. Selbst Goethe soll in seiner Schilderung der Walpurgisnacht im Faust auf das Buch von Praetorius zurückgegriffen haben.

Für den Heimatkundler sind neben den Maibäumen vor allen die Maifeuer und die damit verbundenen Bräuche noch interessant. Diese Traditionsfeuer werden in zahlreichen Orten der Altmark gepflegt, so unter anderem in Seehausen, Bismark, Tangerhütte, und Cheine. Maifeuer in der Walpurgisnacht sind ein Überbleibsel der Freudenfeuer und symbolisieren den Sieg des Frühlings über den Winter. Sie sollen die Menschen vor den bösen Hexen schützen. Als besonders mutig galt, wer mit einem Stock über das Feuer sprang. Dies wurde jedoch bereits vor 1930 von der Polizei verboten, da hierbei zu viel Unfug gemacht wurde, wie in alten Berichten nachzulesen ist.

Das Maifeuer mit seinem oft ausgelassenen Tanz in den Mai wird in weiten Teilen Deutschlands gefeiert. Bei uns in der Altmark ist es seltener als die Osterfeuer.

Heutzutage hat diese Tradition nur noch wenig mit Aberglauben zu tun, sondern ist mehr als Volksfest anzusehen, nicht selten in Verbindung mit erhöhtem Konsum von Alkohol. Die ausgiebigen Feiern in den Mai hatten jedoch nicht nur volkstümliche oder religiöse Hintergründe. Früher begann der dreijährige Wehrdienst immer zum 1. Mai und die Jugendlichen wollten sich aus verständlichen Gründen noch einmal richtig austoben. Denn anders als in der Bundeswehr gab es im preußischen und später kaiserlichen Heer keinen Heimaturlaub.

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