Archäologen forschen zwei Wochen lang auf dem Gelände der Schulenburg bei Stappenbeck

Ein alter Ort voller Rätsel

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Zwei Wochen lang gruben die Archäologen auf dem Areal der Schulenburg an der Jeetze und legten einige der Überreste frei. Heute enden die Arbeiten. Später sollen noch einige Vermessungen folgen.

Stappenbeck. Sie liegt abseits der Zivilisation, nur Schafe und Landwirte kommen in ihre Nähe. Und sie selbst gibt es eigentlich auch seit rund 700 Jahren nicht mehr. Die Rede ist von der Schulenburg an der Jeetze bei Stappenbeck.

Fund 2: ein vergoldeter Beschlag eines Gürtels.

Gestern waren die Göttinger Archäologen, zumeist Studenten, unter Leitung von Dr. Felix Biermann noch voll mit dem Graben nach den Geheimnissen des Ortes beschäftigt. Sie haben innerhalb der vergangenen zwei Wochen einige Reste des ehemaligen Burgturmes und eines vermuteten Wohngebäudes freigelegt. Stichproben, denn mehr ist aufgrund der Zeit nicht möglich. Dennoch stießen die Geschichtsexperten auf tausende Fundstücke – meistens Keramikscherben und Tierknochen, aber auch einige Waffenteile sowie Hausrat und Werkzeuge. Nach Ende der Ausgrabungen wird nun alles wieder zugemacht. Die Arbeiten bei Stappenbeck sind Teil eines größeren Projektes, das sich mit sogenannten Motten (französisch für Erdhügel), einer für Mitteleuropa typischen Burgform, befasst. Die Schulenburg ist dabei die elfte von zwölf zu untersuchenden Motten seit dem Start vor drei Jahren im polnischen Niederschlesien.

Zwei Wochen lang gruben die Archäologen auf dem Areal der Schulenburg an der Jeetze und legten einige der Überreste frei. Heute enden die Arbeiten. Später sollen noch einige Vermessungen folgen.

Für Dr. Felix Biermann stellt die Schulenburg ein Rätsel dar. Gesichert ist, dass sie im späten 13. Jahrhundert nach einer kriegerischen Auseinandersetzung planmäßig zerstört worden ist. Aber warum und von wem sie überhaupt so nahe an Salzwedel errichtet wurde und was zu ihrem Ende führte – darüber können die Archäologen nur spekulieren. Eine Theorie besagt, dass von Stappenbeck entlang der Burg über die Jeetze zum Kloster Dambeck eine Pilger- bzw. Kaufmannsstraße existierte. Stappenbeck selbst ist in diese Richtung – und nicht nach Salzwedel – ausgerichtet und besitzt mit der Klauskirche eine alte Kapelle, praktisch für Reisende. Die heute so abgelegene Lage der Schulenburg scheint einst ein „größerer verkehrsgeografischer Knotenpunkt“ gewesen zu sein, wie der Archäologe mutmaßt.

Die Wahl des Standortes ist ohnehin ein Teil des rätselhaften Zwecks der Burg. Direkt an der Jeetze, lag sie weit sichtbar an einer günstigen Verteidigungsstelle, vor 800 Jahren mehr noch als heutzutage. Die Forscher fragen sich daher: Warum wurde sie so nahe an Salzwedel gebaut, deren Burg aus ähnlicher Zeit stammt? Es könnte ein konkurrierender Herrscher gewesen sein, so Dr. Biermann. Die von der Schulenburgs als Niederadel hätten die Burg dann später übernommen. Er vermutet, dass das Ende der Schulenburg schließlich von Salzwedel initiiert worden ist.

Von Jens Heymann

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