Stadtentwicklungskonzept 2020 / Ein Schwerpunkt: Salzwedels Neubaugebiete

Abriss, Rückbau und Modernisierung

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Südlicher Abschnitt des Neubaugebiets Ernst-Thälmann-Straße: Die beiden kurzen Blöcke am Schillerstraßenkreisel sollen laut Stadtentwicklungsplan abgerissen werden.

Salzwedel. Den Abgeordneten der Hansestadt Salzwedel liegt das neue Stadtentwicklungskonzept 2020 zur Abstimmung vor.

Ein Irxlebener Planungsbüro beschreibt darin den demografischen und baulichen Zustand der Stadt sowie ihrer Ortsteile und macht Vorschläge, was in den kommenden Jahren zu tun ist.

Planungsingenieurin Jaqueline Funke greift sich dabei einige Gebiete der Kernstadt gesondert heraus. Besonders Wohngegenden mit Neubaubestand müssen sich aufgrund stetiger Fortzüge von Bewohnern permanent verändern, führt die Autorin aus.

Ein Brennpunkt ist das Baugebiet Arendseer Straße. 59 Prozent aller städtischen Sozialhilfeempfänger wohnen dort (Stand: 2000), viele Bewohner haben einen Migrationshintergrund. Das Umfeld der Neubauten aus DDR-Zeiten lasse laut Konzept Rückschlüsse auf unterdurchschnittliche Einkommen und Qualifikationen der Bewohner zu. Wohndefizite und Sanierungsrückstände könnten demnach dazu führen, den Stadtteil zunehmend ins Abseits gleiten zu lassen.

Stadtplanerin Funke prognostiziert, dass bis 2020 dort 600 Wohnungen dauerhaft leer stehen – Abriss und Rückbau sind Optionen. Die modernisierten Wohnungen verbleiben im Eigentum der Vermietergesellschaft, könnten aber später an die Bewohner verkauft werden. Dasselbe gilt für frei werdende Grundstücke.

Das Entwicklungskonzept beschäftigt sich ebenfalls mit der Ernst-Thälmann-Straße. Auch dort sei ein starker Anwohnerrückgang zu beobachten, schildert die Konzeptautorin.

Im Gegensatz zum Wohngebiet Arendseer Straße sei allerdings ein Rückbau der Neubauten zu teuer; Abbruch und der Einbau von Fahrstühlen daher sinnvoller. Der Abriss könnte im Extremfall das gesamte südliche Wohngebiet zwischen Thälmannstraße und Umgehungsstraße betreffen. Dort wäre dann Platz für Firmen und Geschäfte.

Am anderen Ende des Spektrums steht der Friedensring. Dort herrscht geringer Leerstand und eine sanierte Bausubstanz.

Für die Ortsteile gibt es ebenfalls Planungsempfehlungen. Besonderen Wert wird auf das Erschließen von Tourismuspotenzialen gelegt, sei es in Seebenau und Brietz die Nähe zum Grünen Band oder in Kemnitz / Ziethnitz der angrenzende Märchenpark.

Der Stadtrat muss das Entwicklungskonzept beschließen, damit Fördermittel fließen können. Das fast 150 Seiten starke Papier soll während der Sitzung am 27. Mai behandelt werden. Es dient dem Gremium sowie der Verwaltung dann künftig als Leitfaden in Bau- und Erhaltungsfragen.

Von Jens Heymann

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