CJD will Betreute stärker an den ersten Arbeitsmarkt heranführen / Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Abkehr vom alten Stil

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Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands steckt in seiner größten Umwälzung seit der Gründung 1947. Auch am Salzwedeler Standort laufen die Dinge nun anders als die Jahre zuvor.

Salzwedel. Beim CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Salzwedel und auch an vielen anderen Standorten im Land sind neue Zeiten angebrochen.

Zum einen, weil das Sozialwerk in einer Schieflage steckt und zum anderen, weil Verordnungen nun konsequenter umgesetzt werden.

Andreas Demuth ist einer der beiden CJD-Gesamtleiter für Sachsen-Anhalt. Heike Hermann ist Chefin der Salzwedeler Werkstatt.

Auswirkungen davon sind bereits zu spüren. Den hauptamtlich Beschäftigten – also Gruppenleiter, der Verwaltung usw. – sind Sonderzahlungen gekürzt worden. Das hat das gesamtdeutsche Direktorium des CJD im Mai entschieden. Ferner fallen derzeit Fahrten weg. Und zuletzt sollen die Betreuten, bei denen es sich um Behinderte handelt, stärker an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden.

„In der Vergangenheit hat es hier eine andere Sichtweise gegeben – die der behütenden, beschützenden Werkstatt, wo die Menschen gut aufgehoben sind“, erläutert Andreas Demuth, einer der beiden CJD-Gesamtleiter für Sachsen-Anhalt. „Das ist aber nicht das, was das Sozialgesetzbuch formuliert: Teilhabe und Eingliederung ins Arbeitsleben.“

Für viele Betreute im Salzwedeler CJD sei die hiesige Werkstatt ihr „persönlicher erster Arbeitsmarkt“ gewesen, so Demuth weiter. „Wir wollen sie aber nicht in Zuckerwatte wickeln, sondern sie so nah wie möglich an die Realitäten des ersten Arbeitsmarktes heranführen.“

Ein erster Schritt dazu sollen Praktika bei externen Betrieben sein. Aufträge sollen also nicht mehr nur in die eigene Werkstatt geholt werden, sondern die Betreuten entsprechend ihrer Möglichkeiten hinausgehen. Einige der CJD-ler arbeiten bereits woanders, Gespräche mit weiteren Firmen der Umgebung laufen, berichtet Werkstattchefin Heike Hermann. Sie ist seit fünf Monaten in ihrem Amt und will die Außenarbeit forcieren. „Niemand wird aus dem CJD entlassen, es sei denn, derjenige erhält einen regulären Arbeitsvertrag und stimmt dem zu“, betont sie.

Für die ausgefallenen Fahrten, die die CJD-ler regelmäßig unternehmen, soll es in diesem Jahr Ersatz geben, beispielsweise mit einem Sommerfest. „Wir wollen weiterhin Ausflüge unternehmen, müssen uns aber der derzeitigen Situation anpassen“, verweist Heike Hermann auf die wirtschaftlich labile Lage des CJD in Deutschland.

Die Niederlassung in Salzwedel war mehr als 20 Jahre von Barbara Quast geleitet worden. Die nun im CJD umgesetzten Maßnahmen sind vor allem eine Abkehr von ihrer Führung. Gegen ihre Kündigung klagt Quast vor dem Stendaler Arbeitsgericht.

Von Jens Heymann

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