Von Woche zu Woche

Die Zwickmühlen hinter den Kulissen

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In der Salzwedeler Lokalredaktion der Altmark-Zeitung erklärt Thomas Mitzlaff (r.), Chefredakteur des Medienhauses C. Beckers, Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Hartmut Möllring, wie die Zeitung entsteht. Links Verlagsleiterin Heike Köhn, vorn Redakteur Christian Ziems.

Politiker reden ja viel, wenn der Tag lang ist. Unser Wirtschaftsminister Hartmut Möllring war in dieser Woche in der Redaktion, nach einem Smalltalk haben wir ein Interview mit ihm geführt, das in der heutigen Ausgabe zu lesen ist.

Ulrike Meineke

Sonst wird bei solchen Gelegenheiten über das Wetter geplänkelt, vielleicht über die Anreise des Ministers aus Magdeburg über die nervigen Bundesstraßen, auf denen sich Lkw an Lkw reiht. Da ist man schnell beim Thema Autobahn. Diesmal nicht. Viel zu sehr sind alle mit dem Flüchtlingszustrom nach Sachsen-Anhalt, in die Altmark, beschäftigt. Jeder macht sich so seine Gedanken darüber. Möllring weiß sehr wohl, dass unserer Landesregierung vorgeworfen wird, nicht gut genug vorbereitet zu sein, die Weichen zu langsam zu stellen. Aber die Fragen, die er aufwarf, mag sich mancher von uns noch gar nicht gestellt haben.

Zum Beispiel ging es um die zweite zentrale Anlaufstelle im Land, die die Asylbewerber zunächst aufnehmen soll. Kann man ein Gebäude schnell umbauen? Dazu müsste sich der Bauherr über alle Baugesetze, und das sind bekanntlich nicht wenige, hinwegsetzen. Das darf er nicht. Sonst kommt der Nächste und will das gleiche Recht für sich in Anspruch nehmen. Stellt er alle nötigen Anträge, dauert das wiederum ewig. Eine Zwickmühle.

Dann soll schneller als bisher darüber entschieden werden, wer ein Recht auf Asyl hat und wer nicht. Die Flüchtlinge kommen aber aus aller Herren Länder, sprechen oft nur ihre Heimatsprache. Die Syrer könnten ganz gut Englisch, wusste der Minister. Aber viele Mitarbeiter in den zuständigen Behörden nicht so viel, dass sie damit eine schnelle und verantwortungsvolle Entscheidung herbeiführen könnten. Woher kommen die Asylbewerber eigentlich? Viele haben keine Papiere dabei. Wie die Identität zweifelsfrei klären?

Der Wirtschaftsminister hat natürlich auch die Wirtschaft im Blick. Welcher Flüchtling kann was? Ohne Dokumente ist nicht nachvollziehbar, welche Schul- oder Ausbildung er hat, was und wo er vielleicht studiert hat. Wie dann diese Asylbewerber fördern oder in Arbeit bringen, sofern sie ein Bleiberecht haben?

29 Sprachklassen wird es als Modellversuch an altmärkischen Schulen geben. Bei den Flüchtlingen ist es nicht anders als bei den deutschen Kindern – der eine lernt schnell, der andere braucht länger und manche lernen´s nie ...

Eines ist aber auch Hartmut Möllring aufgefallen: Die große Bereitschaft der Altmärker, den Flüchtlingen eine Willkommenskultur zu bereiten. Da werden „Runde Tische“ initiiert, die alle Facetten einer möglichen Hilfe beleuchten. Da bieten sich pensionierte Lehrer an, Deutsch zu lehren. Da gibt es viele, die ehrenamtlich Begegnungen organisieren, sich alles Mögliche einfallen lassen.

Den Minister erinnert diese Solidarität an die Flut vor gut zwei Jahren. Er sei damals überwältigt gewesen von der Hilfe, die die Menschen zusammengeschweißt hat. Jeder hatte auf irgendeine Weise Anteil, und das hat geprägt. So makaber das klingt: Alles Schlechte hat eben auch seine guten Seiten.

Was wären die Flutopfer ohne diese überwältigende Hilfsbereitschaft gewesen? Was sind heute die Flüchtlinge ohne unsere Hilfsbereitschaft?

Von Ulrike Meineke

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