Gattungen sollen aussterben / Geldbußen bis zu 10 000 Euro

Vermehrungs- und Handelsverbot für "Kampfhunde"

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Kampfhunde wie Pitbull (r.) und Bullterrier werden als gefährlich eingeschätzt. Deshalb wird die Vermehrung und der Handel für Privatpersonen und Züchter ab März im Land untersagt.

Osterburg. Jedes Jahr werden in Deutschland über eintausend Fälle registriert, in denen Hunde zugebissen haben. 2013 sind insgesamt 140 Beißattacken in Sachsen-Anhalt aufgenommen worden. 94-mal trugen Menschen Schaden davon, 41-mal andere Hunde.

Zwar wurden am häufigsten Bissvorfällen von Deutschen Schäferhunden registriert, ganze 28, doch setzt man diese in das Verhältnis der Rasse zu ihrer Population liegt der Kaukasische Ovtcharka mit 2,6 Prozent vor dem American Staffordshire Terrier mit 1,6 Prozent. Letzterer biss elfmal zu. Noch mehr waren es mit 16 bloß 2010.

„Als gefährliche Hunde aufgrund ihrer Rasse werden in Sachsen-Anhalt jetzt die Rassen Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier sowie ihre Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden eingestuft“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Matthias Frank, der an Sitzungen zur Überarbeitung des im März 2009 verabschiedeten „Hundegesetzes von Sachsen-Anhalt“, das im Oktober im Landtag verabschiedet wurde, teilgenommen hatte. Ab März 2013 wurde die Wirkung des Gesetzes vom Innenministerium überprüft. „Die jetzige Lösung ist eine Eins-zu-eins-Übernahme vom Bundesgesetz“, erklärt Frank. „Es sind vier Hunderassen daraus übernommen worden: Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier.“ Diese Gattungen werden als grundsätzlich gefährlich eingestuft. Ab dem 1. März tritt für die Hunderassen ein Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot in Kraft. Das Vermehrungsverbot gelte auch für Mischlinge. Mit der neuen Regelung habe man ein klares Ziel, sagt Frank. „Man will die Kampfhunderassen aussterben lassen“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

„Betroffen sind vom Gesetz nicht nur Züchter, auch Privatpersonen müssen sich daran halten“, erklärt Frank. „Gern erteilen wir den interessierten Hundehaltern weitere Auskunft. „Wer die Rassen dennoch züchtet, vermehrt oder mit ihnen Handel treibt, zahlt laut Gesetz für diese Ordnungswidrigkeit eine Geldbuße bis zu 10 000 Euro. Was jetzt noch fehle, seien Kontrollmöglichkeiten und ein bundesweiter Standard. Die verschiedenen Reglungen in den Ländern war einer der Hauptkritikpunkte von Züchtern, Tierärzten und -schützern, die in dem Prozess ebenfalls angehört wurden. Tierschützer bemängeln zudem die Rasseliste. Ein reines Abstellen auf das genetische Material sei zu einseitig.

Post vom Kreisveterinäramt bekommen in Kürze außerdem alle Züchter des Landkreises mit der expliziten Darstellung des neuen Gesetzes.

Übrigens: Der Deutsche Schäferhund rangiert in der nach Population bereinigten Beißstatistik mit 0,74 Prozent dann nur auf Rang zehn.

Von Ronny Kauerhof

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