Polizei wirbt für mehr Rücksichtnahme auf und entlang der Einkaufsmeile

Wenn sich Drahtesel-Fahrer auf den Bürgersteig retten

Augen auf! Ob ein Fahrradfahrer nun den Kraftfahrzeugen entgegenkommt oder in derselben Richtung wie diese unterwegs ist, viel Platz bleibt nicht. Immer wieder kommt es zu heiklen Situationen. Die südliche Breite Straße ist für die Kraftfahrzeuge Einbahnstrecke.

Osterburg. „Diese junge Frau wäre jetzt nicht von allein abgestiegen“, glaubt Mario Grünwald an die Kraft seiner Uniform. Kollege Michael Krüger hat just in diesem Moment eine andere Radfahrerin im Visier, die mit ihrem Drahtesel auf dem Gehweg unterwegs ist.

Sie hat die zwei Regionalbereichsbeamten zu spät entdeckt. Das schlechte Gewissen steht ihr ins Gesicht geschrieben. Die Ordnungshüter belehren sie und lassen noch einmal Gnade vor Recht ergehen. Auf der südlichen Breiten Straße, der Einkaufsmeile Osterburgs, kommen sich Kraftfahrzeuge und Drahtesel sehr nah. Die Einbahnstraße bietet nicht viel Platz, rechts parken Pkw, links fließt der Verkehr. Pedalritter dürfen in beiden Richtungen unterwegs sein, in heiklen Situationen weichen etliche von ihnen auf den Gehweg aus. Da sind Konflikte programmiert.

Die Breite Straße hat erst kürzlich die Politik beschäftigt. Im Bauausschuss wurden sogar Stimmen laut, die Radfahrer ganz von der Fahrbahn zu verbannen und ihr Vehikel auf dem Gehweg schieben zu lassen. Rainer Moser (SPD): „Einige Radler kommen einem in der Mitte der Fahrbahn entgegen und meinen, die Straße gehört allein ihnen.“ Dass die Bedingungen gerade für ungeübte oder ältere Pedalritter nicht ganz einfach seien, darüber herrscht Einigkeit. Mitunter kämen Radfahrer neben Fahrzeugen gefährlich ins Wanken. Dass in dem Bereich noch nichts Schlimmeres passiert sei, grenze an ein Wunder.

Den Regionalbereichsbeamten ist kein größerer Unfall mit Fahrradfahrern in jüngerer Vergangenheit bekannt. „Das bedeutet aber nicht, dass wir hier nichts zu tun haben“, unterstreicht Krüger gegenüber der AZ. Die Ordnungshüter sind regelmäßig in dem Bereich unterwegs und wollen ihre Präsenz dort nun noch einmal verstärken. „Wir halten immer wieder Leute an, die sich falsch verhalten haben. Und leider zeigen sich viele dieser Radfahrer bei einer Belehrung auch noch sehr uneinsichtig“, berichtet Grünwald.

Dabei sei die Rechtslage ja eigentlich eindeutig. Der Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung verlange nach Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme. Und: Radfahrer dürfen in diesem Fall tatsächlich auch entgegen der Einbahnstraße unterwegs sein, ein Schild weist extra darauf hin. „Weder der Autofahrer noch der Radfahrer hat dabei auf der Fahrbahn Priorität“, betont Krüger.

Befährt ein Pedalritter den Fußgängerweg, droht ihm ein Bußgeld in Höhe von mindestens 15 Euro. Radfahrer haben laut Polizei grundsätzlich nichts auf dem Bürgersteig zu suchen. Die Ausnahme bilden Kinder. Sind diese acht Jahre alt oder noch jünger, müssen sie mit ihrem Drahtesel sogar den Gehweg nutzen, bis zu einem Alter von zehn Jahren können und dürfen sie es.

Von Marco Hertzfeld

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