Betten, Technik und A 14: Krankenhaus-Chefin Maria Theis sieht Standort Seehausen gesichert

„Unser Herz hier schlägt kraftvoll“

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So ganz geheuer ist Aliénor das Riesenherz anfangs nicht. Doch die Neugier siegt und das Mädchen erkundet das Modell. Julie-Helen Schulz und weitere Helfer empfangen die Besucher und geben ihnen einen Laufzettel mit auf den Weg durch das Krankenhaus. Kein Gast tanzt aus der Reihe, Bereiche, die tabu sind, bleiben auch tabu. Ein medizinisches Skelett rückt vor den Spiegel, Besucher finden es amüsant. Das Blaulichtmuseum zeigt DDR-Rettungswagen. Und Katrin Harzer demonstriert, wie Prothesen funktionieren.

Seehausen. Das Ministerium in Magdeburg signalisiere, dass an dem Standort nicht gerüttelt werde, die Träger stimme das froh, die nächsten Krankenhäuser seien mit Stendal und Perleberg jeweils weite 40 Kilometer entfernt, der mehr als 120 Jahre alte Komplex sei vor gar nicht allzu langer Zeit von Grund auf saniert worden und mit 112 aufgestellten Betten klein und besonders fein.

„So gesehen schlägt unser Herz hier in Seehausen ziemlich kraftvoll und ausdauernd“, meint Maria Theis, die Geschäftsführerin des Krankenhauses in der Wischestadt, lächelt und klemmt sich noch ein paar Unterlagen mehr unter den Arm. Für die nächsten Minuten rechnen die Mitarbeiter und sie beim Tag der offenen Tür mit einem ersten großen Gästeansturm. Das Motto 2016 lautet passenderweise: „Ein Herz für . . . “.

Eine größere Sanierung ist für Geschäftsführerin Theis derzeit kein Thema. „Wir können uns sehen lassen. Es geht vielmehr um Instandhaltung. Wir renovieren nach und nach die Stationen, da geht es um Wände, die leicht schmuddelig geworden sind, und andere Kleinigkeiten.“ Auch technisch sei das christliche Haus gut aufgestellt. In zwei, drei Jahren könnte es um die Anschaffung neuer Spezialgeräte insbesondere für die Sterilisationsabteilung (Entkeimung) gehen. „Da ist man schnell bei mehr als einer halben Million Euro“, weiß die gebürtige Koblenzerin, die seit 2011 in Seehausen das Zepter führt und auch in einer Hamburger Klinik des Agaplesion-Verbundes im Management sitzt. „Die Metropole ist gut und schön, doch das ländliche Gegenstück ist mir genauso wichtig. Seehausen erdet.“

Ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung sei und bleibe wichtig für die Region. Inwieweit die Altmark-Autobahn zusätzliche Aufgaben und Belastungen schafft, bleibe abzuwarten. Auch die B 189 hält uns in Atem, immer wieder gibt es Unfälle“, so die Geschäftsführerin im Gespräch mit der AZ. Beim Rettungsdienst arbeiten Johanniter-Unfallhilfe und Klinik zusammen. Die A  14 sei für ihr Haus auch mit Blick auf Personal wichtig. „Wenn jemand etwa weiter in Stendal wohnen will, macht die Autobahn vieles einfacher.“

Aliénor hat ihren Favoriten unter all den Ständen an diesem Tag gefunden. Das Mädchen begleitet ihren Vater Stev Bremer, einen Praktikanten, voller Neugierde, schaut sich das riesige Herz im Foyer aber doch lieber erst einmal von außen an und tastet sich dann durch ein Megaorgan, das Modell ist begehbar. Einige Meter weiter erklärt Katrin Harzer, Schwester im Krankenhaus, wie eine Knieprothese so aufgebaut ist. Besucher wie Christine Wiese hören aufmerksam zu. „Wir werden ja alle irgendwann in weiter Ferne alt und müssen mit allem rechnen“, meint sie mit Augenzwinkern. An anderer Stelle werden Operationstechniken demonstriert, Ultraschall, Echokardiografie und weiteres mehr vorgeführt.

Diakoniewerk Osterburg, ein Sanitätshaus und Apotheken stellen sich genauso vor wie eine Logopädiepraxis, Tagespflege, Diätberatung und Salus-Tagesklinik. Feuerwehr, Polizei, Johanniter-Unfallhilfe sowie Kindertagesstätten, Grundschulchor und Männerchor mit einem kleinen Programm bringen sich ein. Krankenhaus und Mitstreiter haben für diesen Tag sozusagen ein Rundumpaket geschnürt. Und die Resonanz ist beachtlich.

Von Marco Hertzfeld

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