Bauingenieurin bangt um Neptun und kritisiert die Stadt / Gestohlener Dreizack nicht das Original

„Unser Brunnen verliert an Glanz“

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Ein Bild aus besseren Tagen und mit Dreizack.

Osterburg. „Womit will man für den Tourismus werben, wenn man nicht wertschätzt, was man hat. “ Eine Bauingenieurin sieht den Neptunbrunnen schlecht behandelt.

Nicht nur, dass Osterburgs wichtigster Sehenswürdigkeit seit einiger Zeit der Dreizack fehlt, die Stadt gehe auch fahrlässig mit ihr um. „Die Schäden nehmen immer mehr zu, doch niemand macht etwas dagegen“, meint die Biesestädterin, die den Prachtbrunnen von ihrem Haus aus gut im Blick hat, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Man gilt ja immer gleich als großer Meckerer. “.

Bei dem Wasserspiel handelt es sich um eine italienische Arbeit, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Rönnebeck gebracht wurde. Mit dem Abriss des Schlosses wechselte das Schmuckstück nach Osterburg. „Es besteht aus Marmor, einem sehr weichen Material, das sorgsam behandelt werden muss.“ Dass die Stadt regelmäßig den Hochdruckreiniger einsetzen lasse, sei Gift für die Oberfläche. In der kalten Jahreszeit schützt eine Haube den Brunnen aus Carrara-Marmor, eine gute Sache. Was jedoch nicht garantiere, dass Streusalz gegen Glatteis nicht doch über kurz oder lang in der Anlage lande und Schaden anrichte.

„Ich habe schon so viel gesehen und habe mich schon so viel geärgert. So mancher lässt seinen Hund im Becken baden. Nichts gegen Kinder, aber auch sie haben in diesem Brunnen nichts zu suchen. Es hat sogar einmal jemand sein Fahrrad im Wasser gewaschen, unfassbar.“ Die Bauingenieurin schüttelt den Kopf. Gerieten doch so Dreck und womöglich auch Schadstoffe in Neptuns Wasserkreislauf. „Unser Brunnen verliert zunehmend an Glanz.“ Gerade an den Schalen sind immer mehr Risse und Kerben zu sehen. Hinzu kommen bräunliche Verfärbungen, die sich offenbar niemand so richtig erklären kann. Eine Restaurierung ist momentan nicht geplant (die AZ berichtete).

„Eine Barriere, ein kleiner Zaun, vielleicht kniehoch, würde ja schon helfen, Distanz schaffen und schützen“, glaubt die Kritikerin. Zudem könnten die Düsen so eingestellt werden, dass das Wasser nicht weiter auf die sensibelsten Stellen des Bauwerkes fällt. Auch erinnere sie sich daran, dass es einst eine Brunnenpatenschaft, also bürgerschaftliches Engagement, gegeben habe und der Marmor mit einer ganz feinen Bürste gereinigt wurde. „Wir müssen einfach wieder besser mit dieser Sehenswürdigkeit umgehen.“

Die Stadt weiß um den Zustand des Brunnens. Nico Schulz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde, kann zumindest hinsichtlich des Dreizacks Neues berichten. Bei der gestohlenen metallenen Stichwaffe des Meeresgottes handele es sich um ein Duplikat, das Original habe die Verwaltung schon beizeiten vorsorglich sicher aufbewahren lassen. „Deshalb ist das Ganze zwar noch immer ärgerlich, aber nicht ganz so dramatisch“, findet der Christdemokrat. Der Diebstahl war vor gut zwei Wochen festgestellt worden. Nun soll eine neue Kopie angefertigt werden.

Von Marco Hertzfeld

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