Haverländer Familien leben in Angst vor Isegrim / Schäfer plädiert für gezielte Abschüsse

Schäfer erschrocken: „Da steht ein Wolf vor dem Tor“

„Wir haben Angst.“ Klaus Hildebrandt ist sich sicher: Nur dieser Zaun trennte den Wolf von seinen Hunden, den Schafen und Ziegen, den Menschen. Nachbar Dennis Ludwig (r.) will seine Kinder Paula-Helene (3) und Jan-Roy (4) erst einmal nicht vor dem Haus spielen lassen.

Haverland. „Ich will den Wolf nicht verteufelt und ausgerottet sehen, doch so nah darf er dem Menschen nicht kommen. “ Klaus Hildebrandt steckt der Schrecken noch in den Gliedern. Mitten in der Nacht kurz vor 23 Uhr bellten seine sechs Hunde wie wild.

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Die Nachbarin rief aufgeregt an und forderte ihn auf, doch einmal nach draußen zu schauen. „Ich traute meinen Augen nicht und murmelte nur vor mich hin: ,Da steht ein Wolf vor dem Tor. ’“ Der Haverländer ist Schäfer, gut eine Handvoll seiner 1300 Schafe und Ziegen steht nachts im Stall gleich hinter dem Wohnhaus. Vermutlich habe es Isegrim auf die Nutztiere abgesehen gehabt. „Wir zwei Familien leben hier aber auch ziemlich abgelegen. Die Nachbarn haben zwei Kinder. In einigen Gegenden kommt es schon zu Konflikten mit dem Wolf. Muss denn erst etwas Schlimmes passieren, da- mit die Politik endlich reagiert und das Jagdrecht ändert?“.

Der Vorfall ereignete sich einen Tag vor Himmelfahrt. Es ist nicht die erste Begegnung. Eine Frau habe im Februar ganz in der Nähe ein Exemplar beobachtet. Und Hildebrandt selbst sah einen Wolf wenig später durch den Feldstecher. Im März lief ihm Isegrim quasi über die Füße. „Er war vielleicht noch 100 Meter vom Wohnhaus entfernt. Ich stieg aus dem Auto aus, klatschte in die Hände, doch der Kerl rührte sich nicht und schaute mich an. Da kriegt man schon Gänsehaut.“ So richtig dramatisch, ja blutig, war es bereits im Sommer 2009 geworden.

Insgesamt 17 Tiere wurden getötet oder starben an den Folgen des Wolfsangriffs draußen nahe dem Deich. Den Schaden beziffert der Ostaltmärker auf 4000 Euro. „Zweitdrittel der Summe habe ich damals vom Staat ersetzt bekommen, mehr nicht“, zeigt sich Hildebrandt immer noch sauer.

Für seine Frau Martina und ihn gehe es um die berufliche Existenz, sicherlich. „Doch viel wichtiger ist doch, dass den Menschen nichts passiert.“ Der Schäfer plädiert für den gezielten Abschuss jener Wölfe, die den menschlichen Siedlungen allzu nahe kommen. Der Haverländer ist fest davon überzeugt, dass sich in der Gegend mindestens zwei Wölfe aufhalten. „Das eine Exemplar war ein richtiger Brocken, der nächtliche Besucher zu Himmelfahrt ist hingegen schlanker und nicht ganz so groß gewesen.“ Wolfssichtungen wurden in den vergangenen Wochen und Monaten auch aus Dobbrun bei Osterburg und Seehausen gemeldet (die AZ berichtete). Die beiden Familien an der Haverländer Straße haben Angst. Hildebrandt: „Wir schauen uns jetzt lieber einmal mehr um. Und die Nachbarskinder bleiben erst einmal im Haus.“

Von Marco Hertzfeld

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