Karnevalsverein hat wegen Schulschließung Nachwuchssorgen / Publikumsgeschmack im Wandel

Spaßstart mit Hochzeitsglocken

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Die Saison beginnt im November: Jungkarnevalist Mark Scheinert (M.) ist stets zum Scherzen aufgelegt. So wie der Elfjährige finden viele seiner Altersgenossen den Weg auf die Faschingsbühne.

Rochau. Mit dem Läuten von Hochzeitsglocken für ein waschechtes Faschingsprinzenpaar startet die Rochauer Carnevals Gemeinschaft (RCG) als eine der bekanntesten Karnevalshochburgen der Region am 11.11. in die 52. Saison.

Auch RCG-Präsident Frank Bräuer ist schon recht gespannt, wie die Majestäten des Vorjahres – Prinz Andreas, der Erste von Rochau mit seiner liebreizenden Prinzessin Kerstin, die Erste von Rochau – den Bund fürs Leben nun auch „in echt“ schließen. Wer die Nachfolger der angehenden Eheleute sind, will Bräuer aber nicht verraten. Und auch das neue Rochauer Kinderprinzenpaar, um das sich Vereinsmitglied David Riep kümmere, bleibt ein streng gehütetes Faschingsgeheimnis.

In vollem Gang aber sind bereits seit vielen Wochen die Vorbereitungen für die Auftaktsitzung am Samstag, 12. November. Emsig probt längst auch die Nachwuchsabteilung der RCG ihr Programm. Kinderkarnevalspräsident Janne Nehl tritt zum zweiten Mal an und ist auch fleißig bei der Sache, als der RCG-Präsident in der Mehrzweckhalle zur Kinderbütten-Werkstatt einlädt. Ein knappes Dutzend Acht- bis 14-Jähriger, darunter auch zwei inzwischen in Magdeburg wohnende Geschwister, die aus Rochau stammen und denen das Karnevals-Gen familiär bedingt im Blut liegt. Mädchen sind in der Sketsche-Truppe echte Mangelware, weil es junge Rochauerinnen verstärkt in die drei Kindertanzgruppen zieht, um die sich die Rochauerin Evelin Huth und zwei ihrer Töchter kümmern.

„Wir wollen den Kinderkarneval erhalten, auch wenn jetzt unsere Schule dichtgemacht wurde“, spricht der Präsident über die Herausforderung des Vereins nach der Schließung der Grundschule Rochau in diesem Sommer Nachwuchs zu finden. Denn der Alltag im Klassenzimmer ist ein zentrales Thema in den Programmen der RCG – und zwar „seit Jahrzehnten“, wie Bräuer weiß. So wird es ab November wieder einen Schulklasse-Sketsch geben, wo „in witziger Form Unterricht gemacht wird“, denn solche Szenen liebe das Publikum.

Die Vorlieben der Zuschauer stellen die RCG-Verantwortlichen zunehmend vor schwere Entscheidungen. Abendveranstaltungen würden zunehmend von Gästen dominiert, die offenbar weniger Gefallen an Büttenreden finden. Und die Älteren, die solche Wortbeiträge noch schätzten, wollten sie lieber nachmittags hören. An solchen Geschmacksfragen aber will sich die Truppe nicht stören. „Ein Besuch bei uns lohnt sich“, macht Bräuer neugierig.

Von Antje Mahrhold

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