24 junge Flüchtlinge aus Osterburg, Priemern und Stendal lernen spielerisch deutsche Werte

Mit „Sexypedia“ aufgeklärt

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Melanie Sokolowski von „pro familia“ (v.r.) und Studentin Juliane Schinke geben Werte an jugendliche Flüchtlinge weiter.

Osterburg. „Die Vorfälle rund um den Kölner Hauptbahnhof haben alle geschockt“, sagt Jugendverbundsleiterin von Gut Priemern, Ramona Lenz.

„Sexypedia“ vermittelt viele interessante Fakten zum Thema Leben in Deutschland. Im Mittelpunkt steht Partnerschaft.

„Mit der Idee Prävention in diese Richtung zu betreiben, kamen Vertreter des Stendaler Kinderheims ‘Horizont’ auf uns als Fachverband für Sexualaufklärung zu“, sagt Melanie Sokolowski, Beraterin bei „pro familia“ in Osterburg. Letztlich sei auch daraus die Idee für den Kurs entstanden. Mit im Boot waren das Gut Priemern und das Stendaler Kinderheim „Horizont“.

Den 24 jugendlichen Flüchtlingen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren wurde erläutert, wie Sex und Partnerschaft hier gesehen werden. Wichtig sei zu vermitteln, wie wir in Deutschland mit Sexualität umgingen, sagt Sokolowski. Unterstützung hat die Beraterin von der Studentin Juliane Schinke und einem Dolmetscher.

Würde man den Grundgedanken des Kurses bezüglich Nähe und Distanzlosigkeit im öffentlichen Raum auf die Silvestervorkommnisse übertragen, hieße es dann einfach Begrapschen gehe gar nicht.

Einfach sei es für junge Syrer und Afghanen nicht, normale Beziehungen und Freundschaften aufzubauen, denn neben sprachlichen Barrieren gibt es im Kreis unter den Geflüchteten kaum Mädchen. Auf etwa 50 Jungs kommt ein weibliches Wesen.

Drei Stunden lang ging es um Themen wie Freundschaft, Verlieben oder das erste Mal. Das Gekicher der Jungs erinnerte dann aber doch daran, dass Jugendliche vor Sokolowski standen.

Um die Spannung zu nehmen, kam bei der Vermittlung deutscher Normen auch ein einfaches spielerisches Mittel zum Einsatz, das ähnlich wie beim Brettspielklassiker „Activity“ alles von den Teilnehmern abverlangte. Es wurden Begriffe erklärt, pantomimisch dargestellt oder gemalt. Die Osterburger Ausgabe heißt „Sexypedia“. Sokolowski hatte zusammen mit Kollegen sehr genau über die Fragen und Begriffe nachgedacht, da das Rollenverständnis in den Ländern ein komplett anderes sei. „Zwar ist die Mama der Boss in der Familie, doch Frauen spielen im öffentlichen Leben keine Rolle“, erklärt Sokolowski. Trotzdem habe man nicht auf Fragen über Geschlechtsverkehr oder Homosexualität verzichtet. „Man darf nicht vergessen, dass in einigen Ländern, wo die Jugendlichen herkommen auf Homosexualität noch die Todesstrafe steht“, so Lenz. Allerdings ging es auch ums normale Leben und Themen wie Rauchen oder Alkoholgenuss. „Was uns aber direkt aufgefallen ist, die Jugendlichen sind richtige Gentlemen. Sie halten Türen auf und bieten einem einen Stuhl an“, so Sokolowski.

Dennoch brauchen Pubertierende Bezugspersonen, die ihnen zeigen, was geht und was nicht. Das haben auch die Ereignisse rund um die Schlägerei am Jugendfreizeittreff in Osterburg im Februar gezeigt. Zeugen zufolge soll letztlich Eifersucht zu den jagdähnlichen Szenen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen geführt haben. Genug zu tun gebe es also auch in Zukunft, da immer wieder junge Menschen mit Schmetterlingen im Bauch auf die harte gesellschaftliche Realität träfen.

Von Ronny Kauerhof

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