Bürgermeister und früherer Gorleben-Mitarbeiter glaubt an Altmark ohne Müll

Atomausstieg: „Sehe das Endlager nicht bei uns“

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Atomkraft spaltet weiterhin die Meinungen.

Seehausen. Spitze Zungen meinen, Rüdiger Kloth habe bereits eine strahlende Vergangenheit. Das mit dem Bürgermeisteramt könne deshalb nur eine Erfolgsnummer werden. Solche oder ähnliche Sätze erträgt der CDU-Mann gelassen.

Der Aulosener war fast 20 Jahre bei der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig und kennt das Atommüll-Zwischenlager in Gorleben aus dem Effeff. Vor dem Hintergrund der Suche nach einem Endlager hat die AZ mit ihm gesprochen.

Interview

Die Atomkraft soll aus Deutschland verschwinden. Wie finden Sie das?

Wir stehen in Europa allein mit diesem Beschluss. Es ist politisch gewollt. Letztendlich entscheidet immer die Demokratie, und sie hat entschieden.

Inwieweit haben Sie durch Ihre Kandidatur rechtzeitig den Absprung aus der umstrittenen Branche geschafft?

Ich habe in Gorleben im Zwischenlager gearbeitet, was mit dem Salzstock nichts zu tun hat. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie hat eine völlig neue Suche nach einem Endlager begonnen. Ein Endlager wird es nicht vor 2050 geben. Deshalb bleiben dem Zwischenlager in Gorleben mehr Zeit und Arbeit als ursprünglich angenommen. Der letzte Castor wird nicht vor 2050 vom Gelände rollen. Ich hätte also dort bequem das Rentenalter erreichen können.

Die Bundesregierung lässt nach einem Endlagerort suchen. Salz, Ton und Granit kommen infrage. Zumindest vom Salz ist die Altmark nicht besonders weit entfernt. Was spricht gegen ein Endlager in der Region?

Ich sehe das Endlager nicht bei uns. Schon die geologischen Bedingungen sprechen dagegen. Die Salzstöcke in Zielitz im benachbarten Landkreis Börde sind zu nah an der Oberfläche. Ob andere Salzstöcke nahe der Altmark in Betracht kommen, muss sich zeigen.

Der Verein „Kinder von Tschernobyl“ hat wieder junge Weißrussen zur Erholung in den Landkreis Stendal geholt. Mit welchem Gefühl treten Sie den Kindern eigentlich gegenüber?

Ich bin ihnen noch nicht begegnet. Ob sie sich überhaupt für die Politik in Deutschland und den Atomausstieg hier interessieren, weiß ich nicht. Die Kinder haben sicherlich auch ganz andere Sorgen und Nöte. 30 Jahre nach dem Unglück dürften sicherlich mehr soziale als gesundheitliche Dinge eine zunehmende Rolle spielen.

Selbst Japan gibt die Atomkraft nach Fukushima nicht auf. Wann rechnen Sie mit einer Renaissance der Kernkraft in Deutschland?

Eine Neubelebung der Atomenergie wird es bei uns nicht geben, darauf würde ich sogar eine Wette abschließen. Vielleicht startet etwa Großbritannien mit einer neuen Generation von Reaktoren neu durch, wir aber nicht. Die Deutschen wollen die absolute Sicherheit und sind bereit, für erneuerbare Energien mehr Geld auszugeben.

In Gorleben wollten Sie Brücken bauen. Was genau ist damit gemeint gewesen?

Ich wollte die Besucher immer möglichst objektiv über die Kernkraft und das Zwischenlager Gorleben informieren. Jeder sollte sich selbst ein Bild machen dürfen, ohne irgendwelche ideologischen Einflüsse. Informationen sind das A und O bei einem Thema, das wie kein zweites die Menschheit weltweit in Befürworter und Gegner spaltet.

Von Marco Hertzfeld

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